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7 Tipps, wie Ihre Marketing-Website im AI-Zeitalter Vertrauen erweckt

6 Min. LesezeitMatthias RadscheitMatthias Radscheit
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Das Internet ist gerade dabei, sich selbst zu entwerten.

KI-generierte Texte, die nach nichts klingen und von niemandem stammen. Stockfotos, die niemanden zeigen. Versprechen, die niemand unterschreibt. Websites, die in einer Stunde zusammengebaut wurden und aussehen wie tausend andere Websites, die in einer Stunde zusammengebaut wurden. Content um des Contents willen, SEO um der SEO willen, Marketing um des Marketings willen – und in der Mitte davon: kein Mensch, keine Haltung, keine Substanz.

In diesem Umfeld ist echte GlaubwĂĽrdigkeit kein Nice-to-have mehr. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil.

Wer heute eine Website besucht, hat ein extrem gut kalibriertes Gespür dafür, ob dort jemand wirklich etwas zu sagen hat – oder ob jemand einfach die Fläche befüllt hat. Dieser Sensor wird schärfer, nicht stumpfer. Und er entscheidet in Sekunden.

Die folgenden sieben Punkte sind keine Designtricks. Sie sind Fragen, die Sie sich über Ihre Website stellen sollten – ehrlich.

1. Klingt das wie ein Mensch – oder wie eine Pressemitteilung?

„Wir sind ein innovatives Unternehmen, das ganzheitliche Lösungen für die digitale Transformation Ihrer Organisation bereitstellt." Dieser Satz wurde in den letzten Jahren von KI-Tools millionenfach generiert – aber er stand vorher schon auf millionen Websites, weil Menschen ihn so schrieben, als ob er etwas aussagen würde.

Er sagt nichts aus. Und er klingt nach niemandem.

Vertrauen beginnt mit einer Stimme. Nicht mit einer Unternehmenssprache, die versucht, professionell zu klingen, und dabei jeden Charakter herausfiltert. Mit einer Stimme, die einen Standpunkt hat, die konkrete Dinge sagt, die messbar und überprüfbar sind. „Wir arbeiten seit 2014 ausschließlich mit mittelständischen Industrieunternehmen und haben seitdem 60 E-Commerce-Projekte abgeschlossen" ist ein Satz, für den jemand die Verantwortung übernimmt. Das ist der Unterschied.

Lesen Sie Ihre Homepage laut vor. Klingt das wie jemand, der Ihnen gegenübersitzt? Oder klingt es wie der Output eines Sprachmodells, dem Sie „schreibe eine professionelle Unternehmenswebsite" gesagt haben?

2. Zeigen Sie echte Menschen – keine Requisiten

Das Stockfoto mit den lächelnden Colleagues-Diversity-Ensemble-Menschen vor dem MacBook ist mittlerweile so verbreitet, dass es aktiv Misstrauen erzeugt. Jeder weiß, was es ist. Jeder weiß, was es bedeutet: dass niemand die Mühe auf sich genommen hat, echte Fotos zu machen.

Echte Fotos sind keine Frage des Budgets. Sie sind eine Frage der Bereitschaft, sichtbar zu sein. Ein Handy-Foto von Ihrem echten Team in Ihrer echten Arbeitsumgebung kommuniziert mehr GlaubwĂĽrdigkeit als das hochwertigste Shooting mit Mietmenschen.

Zeigen Sie sich. Nicht die polierte Version, die Sie gerne wären. Die Version, die tatsächlich die Arbeit macht. Das ist der Mensch, dem Ihre potenziellen Kunden vertrauen sollen – also zeigen Sie ihn.

3. Lassen Sie andere für Sie sprechen – aber richtig

„Super Zusammenarbeit, sehr empfehlenswert! – M.K." ist kein Social Proof. Es ist eine Textzeile, die jeder in fünf Sekunden selbst schreiben könnte, und das weiß auch jeder.

Überzeugender Beweis hat drei Eigenschaften: Er ist spezifisch, er kommt von einer identifizierbaren Person, und er beschreibt ein konkretes Ergebnis. „Nach dem Relaunch stieg unsere organische Sichtbarkeit innerhalb von sechs Monaten um 80 Prozent" – von jemandem mit vollständigem Namen, Funktion und Unternehmenslogo – ist ein Vertrauenssignal. Es ist nicht anonym. Es ist nicht allgemein. Es ist etwas, für das jemand mit seinem Namen einsteht.

Und ein Hinweis für alle, die sich fragen, ob man auch über schwierige Projekte sprechen sollte: Ja. Eine ehrliche Beschreibung eines komplexen Projekts – was gut lief, was nicht, was daraus gelernt wurde – ist glaubwürdiger als eine lückenlose Galerie perfekter Ergebnisse. Niemand hat nur perfekte Projekte. Wer so tut als ob, wirkt nicht professionell. Er wirkt unaufrichtig.

4. Erklären Sie, was nach dem ersten Schritt passiert

Unklarheit ist der größte stille Conversion-Killer auf Dienstleistungswebsites. Was passiert, wenn ich das Kontaktformular abschicke? Wer meldet sich? Wann? Was wird besprochen? Bin ich zu irgendetwas verpflichtet?

Diese Fragen stellt sich jeder – und wenn die Website sie nicht beantwortet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass jemand das Formular gar nicht erst abschickt. Nicht weil das Angebot nicht passt, sondern weil die Unsicherheit zu groß ist.

Eine klare, ehrliche Prozessbeschreibung – „So läuft ein erstes Gespräch ab", „Was nach Ihrer Anfrage passiert" – ist eines der einfachsten und wirkungsvollsten Vertrauenselemente, das die meisten Websites noch nicht haben.

Besonders stark ist dabei der Satz, den viele sich nicht trauen: „Wir nehmen nicht jedes Projekt an. Im ersten Gespräch klären wir gemeinsam, ob wir wirklich zueinander passen." Dieser Satz erzeugt bei den richtigen Kunden mehr Interesse als jede Erfolgsgarantie – weil er zeigt, dass hier jemand Ansprüche hat. Und jemand mit Ansprüchen hat meistens auch Gründe dafür.

5. Demonstrieren Sie Wissen – statt es zu behaupten

„Wir sind Experten in unserem Bereich" steht auf jeder zweiten Website. Die Aussage kostet nichts und beweist nichts.

Was Expertise beweist, ist Expertise. Ein Artikel, der eine schwierige Frage wirklich beantwortet. Eine Fallstudie, die nicht nur zeigt, was gebaut wurde, sondern warum welche Entscheidungen getroffen wurden. Ein ehrlicher Vergleich von Optionen, bei dem auch empfohlen wird, was der Leser vielleicht woanders besser aufgehoben ist.

Das ist auch der Punkt, an dem KI-generierter Content seinen Graben gräbt. Ein Text, der alle Keywords enthält und keine echte Aussage macht, ist in der Masse des Internets mittlerweile unsichtbar – nicht algorithmisch, sondern psychologisch. Menschen spüren den Unterschied zwischen jemandem, der aus Erfahrung schreibt, und einem Text, der aus dem Durchschnitt des Internets destilliert wurde. Einer davon erzeugt Vertrauen. Der andere füllt Platz.

6. Sagen Sie auch, fĂĽr wen Sie nicht die richtige Wahl sind

Das ist der kontraintutivste Punkt auf dieser Liste und gleichzeitig einer der wirkungsvollsten.

Wer kommuniziert, für wen er nicht passt, wirkt nicht schwächer. Er wirkt präziser. Und Präzision ist ein Qualitätssignal. „Unsere Projekte starten ab einem Budget von 25.000 Euro" ist ein Satz, der bestimmte Besucher abschreckt – und alle anderen in dem Gefühl bestätigt, am richtigen Ort zu sein.

In einer Welt, in der jede KI-generierte Unternehmenswebsite verspricht, fĂĽr jeden Kunden jede Leistung in jeder Branche zu erbringen, ist die Bereitschaft zur Abgrenzung ein Vertrauensbeweis. Sie sagt: Wir wissen, was wir sind. Und wir haben keine Angst davor, es zu sagen.

7. Technische GleichgĂĽltigkeit ist sichtbar

Eine Website, die auf dem Handy nicht funktioniert, drei Sekunden zum Laden braucht oder Links hat, die ins Leere führen, kommuniziert etwas über das Unternehmen dahinter – egal wie gut der Text ist.

Das ist nicht ungerecht. Das ist Mustererkennung. Menschen schließen von sichtbaren Details auf unsichtbare Qualität. Eine technisch sorglose Website lässt vermuten, dass dieselbe Sorglosigkeit auch in der Arbeit selbst vorkommt. Umgekehrt: Eine Website, die schnell lädt, mobil einwandfrei ist und in jedem Detail ordentlich umgesetzt ist, sagt: Hier arbeitet jemand, dem Qualität wichtig ist.

Für alle, die digitale Dienstleistungen verkaufen – Agenturen, SaaS-Anbieter, IT-Dienstleister – gilt das doppelt. Ihre Website ist Ihr sichtbarstes Referenzprojekt. Sie beantwortet implizit die Frage: So arbeiten diese Menschen. Diese Antwort sollte eine bewusste sein.

Die kurze Zusammenfassung

Das Internet wird gerade geflutet mit Inhalten, die von niemandem stammen, nichts kosten und nichts bedeuten. In diesem Rauschen ist das Einfachste, was eine Website tun kann, auch das Wirkungsvollste: echt sein.

Nicht perfekt. Nicht glattgebügelt. Nicht optimiert bis zur Unkenntlichkeit. Sondern erkennbar menschlich, konkret in seinen Aussagen, ehrlich über seine Grenzen – und sorgfältig in seiner Umsetzung.

Das fällt auf. Und es wird in den nächsten Jahren noch mehr auffallen.