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TCO-Vergleich: WordPress vs. Sanity + Next.js über 3 Jahre

WordPress wirkt günstig – bis man die Folgekosten zusammenzählt. Wir rechnen drei Jahre Total Cost of Ownership gegen ein Sanity+Next.js-Setup und zeigen, ab wann sich der Wechsel rechnet.
5 Min. LesezeitMatthias RadscheitMatthias Radscheit
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Warum die Lizenzfrage in die Irre führt

"WordPress kostet doch fast nichts." Diesen Satz hören wir mindestens einmal pro Monat in Erstgesprächen. In einer einzigen Dimension stimmt er sogar: Die Lizenz ist null Euro. Das Problem ist nur, dass die Lizenz selten der relevante Kostenblock ist. Wenn wir mit Kundinnen und Kunden ehrlich über drei Jahre rechnen, sieht das Bild oft anders aus, als sie erwartet haben.

Total Cost of Ownership meint alle Kosten, die ein System über seine Nutzungsdauer verursacht. Bei einer B2B-Website sind das sieben Posten: Initialentwicklung, Hosting, CMS- und Plugin-Lizenzen, laufende Wartung und Updates, Security, Weiterentwicklung neuer Features und – am häufigsten unterschätzt – die Arbeitszeit der Redakteure und Marketing-Mitarbeiter, die täglich mit dem System arbeiten. Wer nur auf die Lizenz schaut, sieht von diesen sieben Posten höchstens einen halben.

Unsere Annahmen für den Vergleich

Damit der Vergleich fair bleibt, legen wir ein konkretes Szenario zugrunde: ein mittelständisches B2B-Unternehmen mit 80 bis 200 Mitarbeitern, einer mehrsprachigen Marketing-Website (DE, EN, optional Schwedisch), 60 bis 120 Unterseiten, einem Blog mit zwei bis vier Beiträgen pro Monat, drei bis fünf Redakteurinnen und 30.000 bis 80.000 Sessions monatlich. Lead-Generierung mit CRM-Anbindung, regelmäßig neue Landingpages, kein Online-Shop. Ein Setup, das wir jede Woche bauen. Mischsatz für Entwicklerstunden: 120 Euro.

Szenario A: WordPress, drei Jahre

Die Initialentwicklung einer ordentlichen WordPress-Site in dieser Größe liegt zwischen 18.000 und 35.000 Euro. Das umfasst Theme-Entwicklung, ACF-basierte Custom Fields, Mehrsprachigkeit über WPML, CRM-Anbindung, Cookie-Management und Basis-SEO. Hosting auf Managed-Anbietern wie Raidboxes oder Kinsta kostet 600 bis 1.800 Euro pro Jahr. Plugin-Lizenzen summieren sich auf 800 bis 1.500 Euro jährlich. Über drei Jahre also 4.200 bis 9.900 Euro für Hosting und Lizenzen.

Wartung ist der Block, den fast alle unterschätzen: monatliche Core-, Plugin- und Theme-Updates jeweils mit Regressionstests. Wir kalkulieren 200 bis 500 Euro pro Monat – über drei Jahre 7.200 bis 18.000 Euro. Bleibt die Weiterentwicklung: 8 bis 20 Entwicklerstunden monatlich, also 960 bis 2.400 Euro pro Monat oder 34.560 bis 86.400 Euro über drei Jahre. Summe WordPress, 3 Jahre: ca. 64.000 bis 150.000 Euro.

Szenario B: Sanity + Next.js, drei Jahre

Die Initialentwicklung eines Sanity-plus-Next.js-Setups liegt bei 28.000 bis 50.000 Euro. Höher als WordPress, weil die Schemamodellierung in Sanity ein eigener Schritt ist und das Frontend in Next.js mit komponentenbasierter Architektur statt Theme-Anpassung gebaut wird. Hosting wird drastisch günstiger: Vercel im Pro-Plan zwischen 240 und 600 Euro pro Jahr, Sanity Growth rund 1.200 Euro jährlich, keine Plugin-Lizenzen. Über drei Jahre 4.300 bis 5.400 Euro – gut die Hälfte des WordPress-Werts.

Die Wartung sieht fundamental anders aus: keine monatlichen Plugin-Marathons, weil das System aus wenigen, klar versionierten Bausteinen besteht. Updates laufen automatisiert über Dependabot, Tests in der CI-Pipeline. Wartungsverträge zwischen 150 und 350 Euro monatlich, also 5.400 bis 12.600 Euro über drei Jahre. Bei der Weiterentwicklung messen wir in echten Projekten 30 bis 40 Prozent weniger Stunden für vergleichbare Outputs. Eine neue Landingpage ist in einem gut aufgesetzten Sanity-Schema in zwei bis vier Stunden produktionsreif – inklusive aller Sprachen. Über drei Jahre landet der Block bei 22.000 bis 55.000 Euro. Summe Sanity + Next.js, 3 Jahre: ca. 60.000 bis 123.000 Euro.

Wo liegt der Break-Even?

In unseren Migrationsprojekten der letzten zwei Jahre lag der Break-Even im Median bei rund 18 Monaten. Nach eineinhalb Jahren hat das neue Setup die höhere Initialinvestition wieder eingespielt, und ab da spart es jeden Monat reales Geld. Die Hauptquelle dieser Einsparung ist nicht das Hosting und nicht die Wartung, sondern die Geschwindigkeit, mit der das Marketing-Team neue Inhalte live bekommt.

Es gibt einen zweiten Effekt, den TCO-Tabellen meistens nicht abbilden: die Opportunitätskosten verlorener Geschwindigkeit. Wenn eine Kampagnen-Landingpage drei Tage statt drei Stunden braucht, wird sie entweder verschoben oder schlechter umgesetzt. Beides kostet Pipeline. Wir haben Kunden, bei denen allein dieser Effekt den eigentlichen TCO-Vorteil deutlich überwogen hat.

Der versteckte Posten: Redakteurszeit

In WordPress mit Page Builder sind drei bis fünf Klicks Standard für jeden kleinen Edit. Mehrsprachige Inhalte werden separat gepflegt, oft mit dem Risiko, dass Übersetzungen auseinanderlaufen. Bilder müssen manuell skaliert und mit Alt-Texten versehen werden. In einem ordentlich aufgesetzten Sanity-Studio sind Felder genau auf den Use Case zugeschnitten, Sprachvarianten liegen nebeneinander, Bilder werden automatisch optimiert, und Vorschau-Funktionen zeigen sofort, wie eine Änderung im Frontend aussieht. Bei drei Redakteur:innen mit je zwei bis vier Stunden CMS-Arbeit pro Woche sparst du realistisch 30 bis 40 Prozent dieser Zeit – mehrere tausend Stunden über drei Jahre, die nicht in Klicken fließen, sondern in Strategie und Content-Qualität.

Wann wir trotzdem zu WordPress raten

Wir sind keine Ideologen. Bei einer kleinen Site mit wenig Veränderungsbedarf – etwa einer Anwaltskanzlei mit zwölf statischen Seiten – rechnet sich der Sprung in ein Headless-Setup über drei Jahre schlicht nicht. Auch wenn das interne Team bereits stark auf WordPress eingearbeitet ist und es keine konkreten Schmerzpunkte gibt, ist ein Plattformwechsel selten die richtige Antwort. Der zweite Fall sind Sites, die stark auf das WordPress-Plugin-Ökosystem angewiesen sind – etwa bestimmte WooCommerce-Konstellationen oder Mitglieder-Bereiche mit etablierten Membership-Plugins.

Die Frage ist also nie "WordPress oder Headless?", sondern "Was kostet uns das aktuelle Setup, und was wäre die Alternative über drei Jahre wirklich wert?". Sie hängt fast immer an drei Variablen: Wie aktiv ist das Marketing, wie viele Sprachen müssen gepflegt werden, und wie strategisch wichtig ist Time-to-Market.

Nächster Schritt: Die Rechnung für dein Unternehmen

Wir bieten Marketing- und IT-Verantwortlichen aus DACH und Skandinavien regelmäßig eine TCO-Analyse für genau diese Entscheidung an. In einem 30-minütigen Erstgespräch schauen wir uns das aktuelle Setup an, klären die wichtigsten Variablen und liefern dir im Anschluss eine ehrliche Drei-Jahres-Rechnung für beide Optionen. Mit deinen Zahlen, nicht mit Branchen-Mittelwerten.

Kostenblock (3 Jahre)WordPressSanity + Next.jsKommentar
Initialentwicklung18.000–35.000 €28.000–50.000 €Sanity/Next.js höher durch saubere Schemata und Komponenten-Frontend
Hosting & Lizenzen4.200–9.900 €4.300–5.400 €WordPress: viele Premium-Plugins; Sanity: günstiges Hosting, kaum Lizenzen
Wartung7.200–18.000 €5.400–12.600 €WordPress: monatliche Plugin-/Core-Updates; Headless: weniger bewegliche Teile
Weiterentwicklung34.560–86.400 €22.000–55.000 €Sanity/Next.js braucht ca. 30–40 % weniger Stunden für vergleichbare Änderungen
TCO gesamt64.000–150.000 €60.000–123.000 €Break-even meist nach ca. 14–18 Monaten

Zusammenfassung

Die WordPress-Lizenz ist kostenlos – aber sie macht nur einen Bruchteil der echten Gesamtkosten aus. Über drei Jahre dominieren Wartung, Weiterentwicklung und die Arbeitszeit der Redakteur:innen die Rechnung. Für ein typisches mittelständisches B2B-Szenario liegen die Drei-Jahres-Kosten bei WordPress: ca. 64.000–150.000 € gegenüber Sanity + Next.js: ca. 60.000–123.000 €. Der Break-Even einer Migration liegt in echten Projekten im Median bei rund 18 Monaten – getrieben weniger von Hosting oder Wartung als von schnellerer Weiterentwicklung und effizienterer Redakteursarbeit.

WordPress bleibt sinnvoll bei kleinen, selten veränderten Sites, eingearbeiteten Teams ohne Schmerzpunkte oder starker Abhängigkeit vom Plugin-Ökosystem. Sanity + Next.js gewinnt, sobald Marketing aktiv neue Inhalte ausrollt, mehrere Sprachen pflegt oder Time-to-Market strategisch wichtig ist. Die ehrliche Frage lautet nie 'WordPress oder Headless?', sondern 'Was kostet uns das aktuelle Setup über drei Jahre – und was wäre die Alternative wirklich wert?'.