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Was kostet eine moderne Unternehmenswebsite wirklich? Transparente Preisrahmen 2026

Zwischen 4.000 und 250.000 Euro – die ehrliche Spanne für B2B-Websites 2026. Wir nennen vier konkrete Projekttypen mit Preisrahmen, was drin ist, was nicht, und warum Angebote so unterschiedlich ausfallen.
6 Min. LesezeitMatthias RadscheitMatthias Radscheit
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Warum die Frage „Was kostet eine Website?“ eigentlich nicht beantwortbar ist

Die ehrlichste Antwort, die wir auf diese Frage geben können, lautet: Zwischen 4.000 und 250.000 Euro. Diese Spanne klingt nach einem Witz, ist aber das beste, was man ohne Kontext liefern kann. Eine Website ist kein Produkt mit Etikett, sondern ein Projekt mit Variablen. Wer ein Auto kauft, vergleicht Modelle. Wer eine Website beauftragt, vergleicht Angebote, die untereinander manchmal so unterschiedlich sind wie ein Fahrrad und ein Lastwagen – obwohl beide „Fahrzeug“ heißen.

Trotzdem brauchen Marketing- und IT-Verantwortliche eine Hausnummer, bevor sie ein Projekt budgetieren. Dieser Artikel ist der Versuch, ehrliche Preisrahmen zu nennen – ohne die übliche Agentur-Geheimniskrämerei und ohne zu so zu tun, als gäbe es eine Pauschalantwort. Wir nennen vier konkrete Projekttypen, jeweils mit Spanne, was drin ist, was nicht drin ist, und in welchen Konstellationen man am unteren oder oberen Ende landet.

Typ 1: Die kompakte Unternehmens-Visitenkarte

Preisrahmen: 4.000 bis 12.000 Euro. Das ist die klassische Website für kleine Unternehmen, Anwaltskanzleien, Handwerksbetriebe, Coaches: fünf bis zwölf Seiten, ein einfaches Kontaktformular, keine Mehrsprachigkeit, kein angebundenes CRM, kein Blog mit redaktionellem Anspruch. Inhaltlich Visitenkarte, technisch überschaubar. Solche Projekte realisieren wir typischerweise auf Sanity oder direkt auf einem schlanken Next.js-Setup, manchmal auch in WordPress, wenn der Kunde es selbst weiterpflegen will.

Was am unteren Ende geht: Vorlagen-basiertes Design, Kunde liefert Texte und Bilder, ein Kommunikationskanal während des Projekts. Was Richtung 12.000 Euro treibt: individuelles Design, Foto-Shoot, Texterstellung, Mehrsprachigkeit oder grundsätzliche SEO-Strategie. Wer in dieser Klasse mehr als 15.000 Euro bezahlt, zahlt entweder für eine Marke statt für eine Website – oder für ineffiziente Prozesse.

Typ 2: Die professionelle B2B-Marketing-Site

Preisrahmen: 25.000 bis 60.000 Euro. Das ist die Klasse, in der die meisten unserer Kunden landen. Mehrsprachig (DE, EN, oft eine dritte Sprache), 40 bis 120 Unterseiten, Blog mit redaktionellem Workflow, mehrere Lead-Formulare, Anbindung an HubSpot oder Pipedrive, Cookie-Management mit Einwilligungsverwaltung, vernünftiges SEO-Fundament. Technisch gebaut auf Sanity als CMS plus Next.js als Frontend, gehostet auf Vercel oder einem vergleichbaren Edge-Provider.

Was am unteren Ende geht (25.000 bis 35.000 Euro): klares, fokussiertes Scope, vorhandene Markenrichtlinien, Texte und Bilder vom Kunden, eine Sprache zum Start, Blog-Migration aus einem bestehenden System ohne Sonderlocken. Was Richtung 60.000 Euro treibt: Custom-Designsystem von Grund auf, drei oder mehr Sprachen, mehrere komplexere Integrationen (CRM plus Marketing-Automation plus Analytics-Setup), aufwändige Animationen und interaktive Elemente, externe Texterstellung, umfangreiche Datenmigration aus alten Systemen.

Wichtig in dieser Klasse: Der Preis sagt wenig über die Qualität. Wir haben Angebote von Wettbewerbern für exakt diesen Projekttyp gesehen, die zwischen 18.000 und 110.000 Euro lagen – für im Wesentlichen dieselbe Aufgabe. Die Unterschiede liegen in der Tiefe der Konzeption, der Robustheit der Architektur und vor allem darin, was nach dem Launch passiert.

Typ 3: Die strategische Plattform-Site

Preisrahmen: 60.000 bis 150.000 Euro. Hier verlässt man den Marketing-Kontext und betritt das Plattform-Territorium. Solche Projekte haben einen oder mehrere der folgenden Aspekte: Kundenportale mit Login, individuelle Web-Apps neben der Marketing-Site, komplexe Produktkonfiguratoren, tief integrierte Buchungs- oder Bestellprozesse, Anbindung an mehrere Backend-Systeme (ERP, CRM, Warenwirtschaft), echte Personalisierung auf Basis von Nutzerdaten.

Diese Projekte beginnen mit einer Konzeptionsphase von vier bis acht Wochen, bevor die erste Codezeile geschrieben wird. Es geht um Datenmodelle, User Flows, API-Verträge zu bestehenden Systemen, Sicherheitsanforderungen, Compliance-Themen. Wer diese Phase überspringt, baut sich technische Schulden, die später ein Vielfaches kosten. Was Richtung 150.000 Euro treibt: viele Schnittstellen, hohe Compliance-Anforderungen (Banking, Gesundheit, regulierte Branchen), Mehrsprachigkeit kombiniert mit Mehrmärkten, dediziertes Designsystem, Begleitung von echten Change-Prozessen im Kundenunternehmen.

Typ 4: Die Konzern-Website

Preisrahmen: 150.000 bis 250.000 Euro und mehr. Hier reden wir über Sites mit hunderten oder tausenden von Seiten, mehreren Markenauftritten unter einem Dach, internationaler Redaktion mit Dutzenden von Mitarbeitenden, zentralem Content-Management über mehrere Brands hinweg, Integration in eine bestehende Konzern-IT-Landschaft mit allem, was dazu gehört: Single Sign-on, komplexe Berechtigungsmodelle, Audit-Trails, hohe Verfügbarkeitsanforderungen.

In dieser Klasse ist der Preis fast nie das Hauptproblem – das Hauptproblem ist die Komplexität der internen Abstimmung. Konzern-Web-Projekte scheitern selten an der Technik und fast immer an Stakeholder-Misalignment. Eine gute Agentur in diesem Segment liefert nicht nur Code, sondern Beratung, Projektsteuerung und manchmal politische Mediation. Wir empfehlen Kunden in dieser Klasse, mindestens 15 bis 20 Prozent des Budgets für Konzeption und Stakeholder-Management einzuplanen – sonst landet man in einer Spirale aus Änderungswünschen, die das Projekt sprengen.

Was Angebote so unterschiedlich macht

Wenn du für dasselbe Projekt drei Angebote einholst und sie liegen zwischen 22.000 und 90.000 Euro, ist das nicht zwangsläufig ein Zeichen dafür, dass jemand lügt. Es liegt fast immer an drei Faktoren. Erstens: unterschiedliche Annahmen über Scope. Was für den einen „ein Blog“ ist, ist für den anderen „ein redaktioneller Workflow mit Freigabeprozessen, mehrsprachiger Vorschau und automatischem Bildtagging“. Zweitens: unterschiedliche Tiefe der Konzeption. Günstige Angebote ersparen sich oft die ersten zwei bis drei Wochen Strategie und beginnen direkt mit dem Bauen – was später teurer wird, weil Annahmen unterwegs korrigiert werden.

Drittens: unterschiedliche Stundensätze und unterschiedliche Effizienz. Ein Stundensatz von 80 Euro klingt verlockend, ist aber wertlos, wenn die Agentur für eine Aufgabe die dreifache Zeit braucht. Ein Stundensatz von 140 Euro wirkt teuer, ist aber günstig, wenn das Team in der Hälfte der Zeit liefert. Wer Angebote vergleicht, sollte nie auf Stundensätze schauen, sondern auf das, was am Ende geliefert wird – inklusive einer ehrlichen Schätzung der Folgekosten in den ersten zwölf Monaten nach dem Launch.

Was im Preis fast nie enthalten ist

Drei Posten werden in den meisten Angeboten unterschlagen oder klein gerechnet, und sie sind genau die, die am Ende den Unterschied machen. Erstens die Inhalte: Wer Texte und Bilder vom Kunden erwartet, geht davon aus, dass diese rechtzeitig und in hoher Qualität geliefert werden. In der Realität blockieren fehlende Inhalte die meisten Projekte um Wochen oder Monate. Wer professionelle Texterstellung extern einkauft, sollte mit 800 bis 2.500 Euro pro Hauptseite rechnen.

Zweitens die Wartung nach dem Launch: Eine Site, die nicht gewartet wird, ist nach 18 Monaten ein Sicherheitsrisiko. Realistische Wartungskosten liegen für eine professionelle B2B-Site bei 200 bis 500 Euro pro Monat – sollten also im Jahr nach dem Launch eingeplant werden. Drittens die Weiterentwicklung: Eine Marketing-Site lebt nicht statisch. Plant man im ersten Jahr keine Stunden für neue Landingpages, Optimierungen und Anpassungen ein, verliert das Projekt an Wirkung, bevor es überhaupt richtig angekommen ist.

Zusammenfassung

Unternehmens-Visitenkarten kosten 4.000 bis 12.000 Euro. Professionelle B2B-Marketing-Sites kosten 25.000 bis 60.000 Euro. Strategische Plattform-Sites kosten 60.000 bis 150.000 Euro. Konzern-Websites starten bei 150.000 Euro und haben nach oben kein klares Limit. Innerhalb jeder Klasse macht der Preis allein keine Aussage über Qualität – entscheidend sind Scope-Definition, Konzeptions-Tiefe und die Effizienz des liefernden Teams.

Drei Posten werden in fast allen Angeboten kleingerechnet und sollten ehrlich eingeplant werden: Inhaltserstellung, Wartung im ersten Jahr, und kontinuierliche Weiterentwicklung. Wer diese drei Posten ignoriert, hat am Ende nicht das günstigere Projekt, sondern das frustrierendere.