Die ehrliche Antwort vorab
Keine von allen dreien. Oder alle drei. Es kommt nicht darauf an.
Ich beantworte diese Frage regelmäßig in Erstgesprächen mit Kunden, und ich beantworte sie jedes Mal auf die gleiche Art: indem ich sie umformuliere. Die eigentliche Frage ist nicht, welches Tool besser ist. Die eigentliche Frage ist, was eine gute Website ausmacht – und das hat mit der Wahl des Baukastensystems ungefähr so viel zu tun wie das Fabrikat des Kugelschreibers mit der Qualität eines Buches.
Bevor ich erkläre, warum, fasse ich kurz zusammen, was die drei Plattformen können und wo sie sich unterscheiden. Damit liegt die Tool-Diskussion hinter uns.
Was die Plattformen können – und was sie trennt
Webflow, Framer und Squarespace sind visuell bedienbare Website-Builder: Du baust damit professionelle Websites, ohne tief programmieren zu können. Alle drei hosten die Seiten selbst, alle drei bringen integrierte CMS-Funktionen für Blogs und Content-Verwaltung mit, und alle drei produzieren Websites, die auf modernen Geräten einwandfrei funktionieren.
Webflow: das technisch tiefste Werkzeug
Webflow ist die technisch tiefste Plattform der drei. Es gibt keine Einschränkungen im Layout, komplexe Animationen steuerst du pixelgenau, und das CMS eignet sich gut für mittlere Content-Volumina.
Webflow produziert sauberen Code und ist in der richtigen Hand ein mächtiges Werkzeug: besonders für Designer mit technischem Verständnis. Beachte aber: Es ist ein US-Dienst, was für manche Datenschutzsetups relevant ist.
Framer: stark im Design, begrenzt im CMS
Framer positioniert sich noch stärker als Design-Tool. Animationen, Mikrointeraktionen und Übergänge setzt du hier besonders intuitiv um. Framer-Websites sehen oft sehr gut aus: Das ist keine Schmeichelei, sondern eine Beobachtung aus meiner Praxis.
Die Grenzen liegen im CMS und in der Skalierbarkeit: Mehrsprachigkeit und komplexe Inhaltsstrukturen sind in Framer schnell überdehnt. Willst du deine Website in zwei Jahren wesentlich ausbauen, baust du dir mit Framer möglicherweise ein Problem.
Squarespace: der zugänglichste Einstieg
Squarespace ist das zugänglichste der drei Systeme. Keine Programmierkenntnisse, keine Designausbildung, trotzdem anständige Ergebnisse. Für sehr kleine Unternehmen, Freelancer oder einfache Präsenzseiten ist das eine echte Stärke. Für Unternehmen mit ernsthaften Marketing-Ambitionen ist es in der Regel zu früh zu einschränkend.
Das ist der Unterschied. Und dieser Unterschied ist für die meisten Fragen, die tatsächlich darüber entscheiden, ob eine Website funktioniert, weitgehend irrelevant.
Die Plattform ist nicht das Problem
Ich habe in meiner Arbeit exzellente Websites auf WordPress gesehen und schlechte auf Webflow. Schlechte auf Squarespace und überraschend wirkungsvolle auf Framer. Und umgekehrt. Diese Muster sind keine Zufälle, sie haben denselben Ursprung.
Eine Plattform liefert keine Strategie, sondern setzt eine Strategie um, die vorher gedacht werden muss.
Was Websites scheitern lässt, ist fast nie das verwendete CMS, sondern fast immer eines der folgenden Probleme: Die Site ist aus der Innenperspektive des Unternehmens gebaut, nicht aus der Außenperspektive potenzieller Kunden. Das Design ist ansprechend, aber nicht differenzierend.
Die Informationsarchitektur ist gewachsen, nicht geplant. Oder es fehlt ein klares Verständnis davon, wer deine Zielgruppe ist und was diese Person auf der Seite sucht. Diese Fehler behebst du mit keiner Plattform.
Das größte Missverständnis: die Website über dich selbst schreiben
Die häufigste und schwerste konzeptionelle Schwäche, die ich bei Website-Projekten antreffe, ist eine Perspektive: Fast alle Unternehmen schreiben ihre Websites so, wie sie sich selbst sehen. Nicht so, wie ihre potenziellen Kunden nach ihnen suchen und über sie nachdenken.
Das äußert sich in Navigationspunkten wie «Über uns», «Leistungen» und «Referenzen»: eine Struktur, die aus der Innensicht des Unternehmens absolut logisch wirkt. Und die für einen potenziellen Kunden, der ein konkretes Problem lösen will, weitgehend bedeutungslos ist.
Der Perspektivwechsel, der aus mittelmäßigen Websites gute macht, klingt einfach: weg von der Frage «Wer sind wir und was bieten wir an?». Hin zu der Frage: Welches Problem löst mein Gegenüber, warum sucht er nach einer Lösung, welche Bedenken hat er, und welche Informationen braucht er für seine Entscheidung?
Das ist keine Formulierungsfrage. Es ist eine Architekturfrage.
Zielgruppen und Personas: Wer besucht deine Seite wirklich?
Ein Website-Konzept beginnt mit einer ehrlichen Antwort auf die Frage, wer eigentlich auf deiner Seite landen wird. Und darauf, was diese Person in dem Moment will, in dem sie landet.
Personas sind dafür ein Werkzeug, das in der Praxis häufig missverstanden wird. Eine Persona ist keine demografische Schublade: «Marketingleiterin, 38, Großstadt» hilft dir wenig.
Nützlich ist die Beschreibung der Motivation: Was hat diese Person dazu gebracht, nach einer Lösung zu suchen? Was hat sie bisher versucht, und was hat nicht funktioniert?
Welche Einwände hat sie gegen Anbieter wie dich? Und welche Formulierungen würde sie selbst verwenden, wenn sie ihr Problem beschreibt?
Für die meisten Unternehmen gibt es nicht eine Persona, sondern mehrere: mit unterschiedlichen Informationsbedürfnissen, unterschiedlicher Reife im Entscheidungsprozess und unterschiedlichen Einstiegspunkten in die Seite.
Eine Persona kommt über eine Google-Suche nach einem konkreten Problem, landet auf einem Blogartikel und braucht von dort einen klaren Pfad zu tiefergehenden Informationen. Eine andere kommt über eine Empfehlung, kennt dich bereits und will primär Kompetenz und Referenzen prüfen. Eine dritte steckt im aktiven Auswahlprozess zwischen mehreren Anbietern und sucht nach Differenzierungskriterien.
Alle drei brauchen im Grunde unterschiedliche Websites. Eine gut konzipierte Seite erkennt diese Unterschiede und gibt jeder dieser Personen einen sinnvollen Pfad.
Themencluster statt Inhaltsinseln
Wie du deine Website strukturieren solltest, hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Nicht wegen einer Modeerscheinung, sondern weil sich verändert hat, wie Suchmaschinen Relevanz bewerten und wie Menschen tatsächlich recherchieren.
Die klassische Struktur «eine Leistungsseite pro Angebot» funktioniert schlecht: nicht weil die Seiten schlecht sind, sondern weil sie inhaltlich isoliert sind. Diese Seiten antworten auf keine Fragen, sie bauen kein Vertrauen auf, und sie bieten keinen Grund, auf der Seite zu bleiben oder zurückzukehren.
Das Gegenprinzip heißt Themencluster. Die Grundidee ist einfach: Für jedes Thema, das für deine Zielgruppe wichtig ist, gibt es eine zentrale Pillar-Seite – eine tiefe Auseinandersetzung, die einen echten Überblick gibt.
Um diese Pillar-Seite herum entstehen Cluster-Inhalte: spezifischere Artikel, die Teilaspekte vertiefen, Fragen beantworten, Vergleiche ziehen und konkrete Szenarien durchdenken. Die Cluster-Inhalte verlinken auf die Pillar-Seite zurück, und die Pillar-Seite verlinkt auf die Cluster-Inhalte.
Das Ergebnis ist keine Ansammlung von Seiten, sondern ein kohärentes inhaltliches Netzwerk: Es signalisiert Suchmaschinen Expertise und bietet deinen Lesern eine logische Weiterführung.
Ein Beispiel: Für ein Unternehmen, das Headless-Commerce-Lösungen anbietet, hieße das eine Pillar-Seite zu «Headless Commerce» und Cluster-Artikel zu Fragen wie «Wann lohnt sich Headless Commerce?», «Headless Commerce vs. Shopify», «MedusaJS für B2B-Shops» oder «Performance-Optimierung im Headless-Setup».
Nicht weil das gut für SEO ist: Das ist ein Nebeneffekt. Sondern weil jemand, der wirklich in diesem Thema forscht, genau diese Fragen stellt und die Antworten auf einer gut konzipierten Seite findet.
Informationsarchitektur: der unterschätzte Grundriss
Eine Website ist ein Raum. Wie ein Raum braucht sie einen Grundriss: eine Entscheidung darüber, was wo steht, welche Räume direkt erreichbar sind und welcher Weg durch die Seite für verschiedene Besucher sinnvoll ist.
Informationsarchitektur ist das Handwerk, das diese Entscheidungen strukturiert. Dazu gehört die Navigationshierarchie: Welche Bereiche deiner Seite sind primär, welche sekundär? Dazu gehört die interne Verlinkungslogik: Welche Seiten verweisen aufeinander, und welche Pfade ergeben sich daraus für verschiedene Besuchertypen? Und dazu gehört die Content-Hierarchie innerhalb einer Seite: Was steht oben, was unten, wo liegen die Entscheidungspunkte?
Schlechte Informationsarchitektur erkennst du an mehreren Symptomen: Besucher verlassen die Seite früh, weil sie nicht finden, was sie suchen. Die Absprungrate ist hoch, auch auf Seiten mit gutem Traffic.
Die «Über uns»-Seite gehört zu den meistbesuchten Seiten: ein Hinweis darauf, dass Besucher nach grundlegenden Informationen suchen, die sie anderswo nicht finden. Und Kontaktanfragen enthalten Fragen, die deine Website eigentlich beantworten sollte.
Gute Informationsarchitektur entsteht nicht intuitiv, sondern aus einer systematischen Auseinandersetzung mit den Fragen deiner Besucher und der Reihenfolge, in der sie diese Fragen stellen.
Ein bewährtes Werkzeug dafür ist Card Sorting: Potenzielle Nutzer ordnen Inhalte so, wie sie es erwarten. Damit zeigen sie, wie die Navigation aus ihrer Perspektive aussehen sollte – nicht aus deiner.
Design, das differenziert – und nicht nur gefällt
Gutes Design ist keine Frage des Geschmacks. Es ist eine funktionale Anforderung.
Design erfüllt auf einer Website mehrere Aufgaben gleichzeitig. Es beeinflusst, ob ein Besucher in den ersten Sekunden das Gefühl hat, am richtigen Ort zu sein. Es signalisiert Positionierung, ob bewusst oder nicht: Ein minimalistisches, typografisch starkes Design kommuniziert etwas anderes als ein bildlastiges, warmes Layout, auch wenn beide dieselbe Leistung anbieten.
Und Design lenkt Aufmerksamkeit: auf das, was wichtig ist, wenn die Hierarchie stimmt. Oder ins Leere, wenn sie es nicht tut.
Das Problem: Austauschbarkeit
Das Problem mit den meisten Website-Designs ist nicht, dass sie schlecht sind. Das Problem ist, dass sie austauschbar sind. Stell zehn Websites derselben Branche nebeneinander: Du findest häufig dasselbe Layout, dieselbe Farbpalette in minimalen Variationen, dieselben Stockfotos, denselben Hero-Aufbau.
Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis davon, dass die meisten Website-Projekte mit Templates beginnen – und nicht mit der Frage: Wie sieht ein Unternehmen aus, das genau das ist, was wir sind?
Was Design differenzierend macht
Differenzierendes Design fragt: Was unterscheidet dich von deinen direkten Wettbewerbern, und wie kann Design das sichtbar machen?
Das kann durch Typografie geschehen: Eine ungewöhnliche, charakterstarke Schrift schafft mehr Wiedererkennungswert als jedes Logo. Es kann durch Farbgebung geschehen, die in deiner Branche unkonventionell ist, aber zum Charakter deines Unternehmens passt.
Es kann durch Bildsprache geschehen: Echte Fotos aus dem Alltag deines Unternehmens kommunizieren mehr als generische Stockbilder. Und es kann durch Ton und Sprache geschehen: Wie deine Seite spricht, sagt mehr über dein Unternehmen aus als das, was sie sagt.
Was vor dem ersten Klick im Tool feststehen muss
Es gibt eine Faustregel, die ich in meiner Arbeit gelernt habe: Je länger das konzeptionelle Vorfeld eines Website-Projekts, desto besser das Ergebnis – unabhängig davon, mit welchem Tool du baust.
Was idealerweise vor dem ersten Entwurf feststeht: eine klare Antwort auf die Frage, welches Problem deine Website für wen löst. Eine Beschreibung der wichtigsten Personas und ihrer Informationsbedürfnisse. Eine Entscheidung über deine inhaltliche Positionierung: Welche Themen besetzt du, und mit welcher Tiefe?
Dazu kommen eine Inhaltsstruktur, die aus der Außenperspektive entwickelt wurde, und ein Designprinzip, das aus deiner Positionierung abgeleitet ist – nicht aus einem Template.
Das klingt nach viel Arbeit vor der sichtbaren Arbeit, und das ist es auch. Aber es ist die Arbeit, die entscheidet, ob am Ende eine Website steht, die ihren Zweck erfüllt, oder eine, die gut aussieht und trotzdem nicht funktioniert.
Wann die Plattformwahl doch den Ausschlag gibt
Nach allem Gesagten gibt es Kontexte, in denen die Plattformwahl doch relevant wird. Wenn auch aus anderen Gründen, als meist diskutiert.
Planst du absehbares Wachstum und willst deine Website in zwei bis drei Jahren deutlich ausbauen? Mehr Sprachen, mehr Inhalte, tiefere Integrationen mit anderen Systemen? Dann rechne das in die Plattformwahl ein.
Framer ist in diesem Szenario das riskanteste Tool: Migrationen sind aufwändig, und das CMS stößt schnell an Grenzen. Webflow skaliert weiter, hat aber ebenfalls Grenzen, die bei komplexen Inhaltsstrukturen relevant werden.
Hast du sehr ambitionierte Content-Anforderungen, bist du mit einem echten Headless-Setup mit NextJS und einem dedizierten CMS wie Sanity oder Payload langfristig besser bedient – auch wenn die Einstiegsinvestition höher ist.
Ist DSGVO-Compliance für dich eine harte Anforderung, musst du wissen: Alle drei Plattformen sind US-Dienste. Für manche Branchen und Unternehmenstypen ist das ein echtes Ausschlusskriterium. Dann führt kein Weg an einer eigenen Hosting-Infrastruktur vorbei, was die Baukastensysteme automatisch disqualifiziert.
Und musst du heute mit begrenztem Budget schnell live gehen, ohne ungewöhnliche Anforderungen? Dann ist die Entscheidung für Squarespace oder Framer pragmatisch richtig – solange das Konzept sitzt. Eine gut durchdachte Website auf Squarespace schlägt eine schlecht konzipierte auf Webflow jeden Tag.
Fazit: die Frage hinter der Frage
Webflow, Framer oder Squarespace ist die falsche Frage. Nicht weil sie unwichtig ist, sondern weil sie zu spät gestellt wird.
Die Fragen, die du vorher beantworten musst: Für wen baust du diese Website? Was soll diese Person denken, fühlen und tun, nachdem sie deine Seite besucht hat? Welche Inhalte braucht sie dafür?
Wie ist die Seite strukturiert, damit sie diese Inhalte findet? Und wie sieht eine Seite aus, die dein Unternehmen so darstellt, dass es unverwechselbar ist?
Hast du diese Fragen beantwortet, kannst du guten Gewissens jedes der drei Tools wählen. Hast du sie nicht beantwortet, hilft dir keine Plattform.
Nächste Schritte
Du stehst vor genau dieser Entscheidung und willst erst das Konzept klären, bevor du dich auf ein Tool festlegst? Dann lass uns sprechen: Buch dir ein unverbindliches Erstgespräch. Wir schauen gemeinsam auf deine Zielgruppe, deine Inhaltsstruktur und die Frage, welches Setup dazu passt.
