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Webflow, Framer oder Squarespace – welches System ist das Beste?

10 Min. LesezeitMatthias RadscheitMatthias Radscheit
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Keine von allen dreien. Oder alle drei. Es kommt nicht darauf an.

Ich beantworte diese Frage regelmäßig in Erstgesprächen mit Kunden, und ich beantworte sie jedes Mal auf die gleiche Art: indem ich sie umformuliere. Die eigentliche Frage ist nicht, welches Tool besser ist. Die eigentliche Frage ist, was eine gute Website ausmacht – und das hat mit der Wahl des Baukastensystems ungefähr so viel zu tun wie das Fabrikat des Kugelschreibers mit der Qualität eines Buches.

Bevor ich erkläre, warum, möchte ich kurz zusammenfassen, was diese drei Plattformen können und wo sie sich unterscheiden – damit diese Diskussion hinter uns liegt.

Was die Plattformen können – und was sie trennt

Webflow, Framer und Squarespace sind visuell bedienbare Website-Builder, die ohne tiefes Programmierwissen professionelle Websites ermöglichen. Alle drei hosten die Seiten selbst, alle drei haben integrierte CMS-Funktionen für Blogs und Content-Verwaltung, und alle drei produzieren Websites, die auf modernen Geräten einwandfrei funktionieren.

Webflow ist die technisch tiefste Plattform der drei. Es gibt keine Einschränkungen im Layout, komplexe Animationen lassen sich pixelgenau steuern, und das CMS ist für mittlere Content-Volumina gut geeignet. Webflow produziert sauberen Code und ist in der richtigen Hand ein mächtiges Werkzeug – besonders für Designer mit technischem Verständnis. Es ist ein US-Dienst, was für manche Datenschutzsetups relevant ist.

Framer positioniert sich noch stärker als Design-Tool. Animationen, Mikrointeraktionen und Übergänge lassen sich hier besonders intuitiv umsetzen. Framer-Websites sehen oft sehr gut aus – das ist keine Schmeichelei, sondern eine Beobachtung aus der Praxis. Die Grenzen liegen im CMS und in der Skalierbarkeit: Mehrsprachigkeit und komplexe Inhaltsstrukturen sind in Framer schnell überdehnt. Wer seine Website in zwei Jahren wesentlich ausbauen will, baut sich mit Framer möglicherweise ein Problem.

Squarespace ist das zugänglichste der drei. Keine Programmierkenntnisse, keine Designausbildung, trotzdem anständige Ergebnisse. Für sehr kleine Unternehmen, Freelancer oder einfache Präsenzseiten ist das eine echte Stärke. Für Unternehmen mit ernsthaften Marketing-Ambitionen ist es in der Regel zu früh zu einschränkend.

Das ist der Unterschied. Und dieser Unterschied ist für die meisten Fragen, die tatsächlich darüber entscheiden, ob eine Website funktioniert, weitgehend irrelevant.

Die Plattform ist nicht das Problem

Ich habe in meiner Arbeit exzellente Websites auf WordPress gesehen und schlechte auf Webflow. Schlechte Websites auf Squarespace und überraschend wirkungsvolle auf Framer. Und umgekehrt. Die Muster sind keine Zufälle – sie haben denselben Ursprung: Eine Plattform liefert keine Strategie. Sie setzt eine Strategie um, die vorher gedacht werden muss.

Was Websites scheitern lässt, ist fast nie das verwendete CMS und fast immer eines der folgenden Probleme: Die Site ist aus der Innenperspektive des Unternehmens gebaut, nicht aus der Außenperspektive potenzieller Kunden. Das Design ist ansprechend, aber nicht differenzierend. Die Informationsarchitektur ist gewachsen, nicht geplant. Es gibt kein klares Verständnis davon, wer die Zielgruppe ist und was diese Person auf der Seite sucht.

Diese Fehler lassen sich mit keiner Plattform beheben.

Das größte Missverständnis: Die Website über sich selbst schreiben

Die häufigste und schwerste konzeptionelle Schwäche, die ich bei Website-Projekten antreffe, ist eine Perspektive. Fast alle Unternehmen schreiben ihre Websites so, wie sie sich selbst sehen – nicht so, wie ihre potenziellen Kunden nach ihnen suchen und über sie nachdenken.

Das äußert sich in Navigationspunkten wie „Über uns", „Leistungen" und „Referenzen" – eine Struktur, die aus der Innensicht des Unternehmens absolut logisch wirkt. Und die für einen potenziellen Kunden, der ein konkretes Problem lösen will, weitgehend bedeutungslos ist.

Der Perspektivwechsel, der aus mittelmäßigen Websites gute macht, klingt einfach: Weg von der Frage „Wer sind wir und was bieten wir an?" hin zu der Frage „Welches Problem löst mein Gegenüber, warum sucht er nach einer Lösung, welche Bedenken hat er, und welche Informationen braucht er, um eine Entscheidung treffen zu können?"

Das ist keine Formulierungsfrage. Es ist eine Architekturfrage.

Zielgruppen und Personas: Wer besucht die Seite wirklich?

Ein Website-Konzept beginnt mit einer ehrlichen Antwort auf die Frage, wer eigentlich auf der Seite landen wird – und was diese Person in dem Moment will, in dem sie landet.

Personas sind ein Werkzeug dafür, das in der Praxis häufig missverstanden wird. Eine Persona ist keine demografische Schublade. „Marketingleiterin, 38, Großstadt" hilft wenig. Nützlich ist die Beschreibung der Motivation: Was hat diese Person dazu gebracht, nach einer Lösung zu suchen? Was hat sie bisher versucht? Was hat nicht funktioniert? Welche Einwände hat sie gegen Anbieter wie meinen? Welche Formulierungen würde sie selbst verwenden, wenn sie ihr Problem beschreibt?

Für die meisten Unternehmen gibt es nicht eine Persona, sondern mehrere – mit unterschiedlichen Informationsbedürfnissen, unterschiedlicher Reife im Entscheidungsprozess und unterschiedlichen Einstiegspunkten in die Seite. Eine Persona kommt über eine Google-Suche nach einem konkreten Problem, landet auf einem Blogartikel und braucht von dort einen klaren Pfad zu tiefergehenden Informationen. Eine andere kommt über eine Empfehlung, kennt den Anbieter bereits und will primär Kompetenz und Referenzen prüfen. Eine dritte ist im aktiven Auswahlprozess zwischen mehreren Anbietern und sucht nach Differenzierungskriterien.

Alle drei brauchen im Grunde unterschiedliche Websites. Eine gut konzipierte Seite erkennt diese Unterschiede und gibt jeder dieser Personen einen sinnvollen Pfad.

Themencluster statt Inhaltsinseln

Wie Websites strukturiert werden sollten, hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert – nicht wegen einer Modeerscheinung, sondern weil sich verändert hat, wie Suchmaschinen Relevanz bewerten und wie Menschen tatsächlich recherchieren.

Die klassische Struktur „eine Leistungsseite pro Angebot" funktioniert schlecht – nicht weil die Seiten schlecht sind, sondern weil sie inhaltlich isoliert sind. Sie antworten auf keine Fragen, sie bauen kein Vertrauen auf, sie bieten keinen Grund, auf der Seite zu bleiben oder zurückzukehren.

Das Gegenprinzip heißt Themencluster. Die Grundidee ist einfach: Für jedes relevante Thema, das für die Zielgruppe wichtig ist, gibt es eine zentrale Pillar-Seite – eine umfassende, tiefe Auseinandersetzung mit dem Thema, die einen echten Überblick gibt. Um diese Pillar-Seite herum entstehen Cluster-Inhalte: spezifischere Artikel, die Teilaspekte vertiefen, Fragen beantworten, Vergleiche ziehen, konkrete Szenarien durchdenken. Diese Cluster-Inhalte verlinken auf die Pillar-Seite zurück, und die Pillar-Seite verlinkt auf die Cluster-Inhalte.

Das Ergebnis ist keine Ansammlung von Seiten, sondern ein kohärentes inhaltliches Netzwerk, das für Suchmaschinen Expertise signalisiert und für Leser eine logische Weiterführung anbietet.

Für ein Unternehmen, das Headless-Commerce-Lösungen anbietet, würde das bedeuten: eine Pillar-Seite zu „Headless Commerce", Cluster-Artikel zu spezifischen Fragen wie „Wann lohnt sich Headless Commerce?", „Headless Commerce vs. Shopify", „MedusaJS für B2B-Shops", „Performance-Optimierung im Headless-Setup", und so weiter. Nicht weil es gut für SEO ist – das ist ein Nebeneffekt –, sondern weil jemand, der wirklich in diesem Thema forscht, genau diese Fragen stellt und die Antworten auf einer gut konzipierten Seite findet.

Informationsarchitektur: Der unterschätzte Grundriss

Eine Website ist ein Raum. Wie ein Raum muss sie einen Grundriss haben – eine Entscheidung darüber, was wo steht, welche Räume direkt erreichbar sind und welcher Weg durch die Seite für verschiedene Besucher sinnvoll ist.

Informationsarchitektur ist das Handwerk, das diese Entscheidungen strukturiert. Sie umfasst die Navigationshierarchie: Welche Bereiche der Seite sind primär, welche sekundär? Sie umfasst die interne Verlinkungslogik: Welche Seiten verweisen aufeinander, und welche Pfade ergeben sich daraus für verschiedene Besuchertypen? Sie umfasst die Content-Hierarchie innerhalb einer Seite: Was steht oben, was unten, wo sind die Entscheidungspunkte?

Schlechte Informationsarchitektur manifestiert sich in mehreren Symptomen: Besucher verlassen die Seite früh, weil sie nicht finden, was sie suchen. Die Absprungrate ist hoch, auch auf Seiten mit gutem Traffic. Die „Über uns"-Seite ist eine der meistbesuchten Seiten – was darauf hindeutet, dass Besucher nach grundlegenden Informationen suchen, die sie anderswo nicht finden. Kontaktanfragen enthalten Fragen, die auf der Website eigentlich beantwortet sein sollten.

Gute Informationsarchitektur entsteht nicht intuitiv. Sie entsteht aus einer systematischen Auseinandersetzung mit den Fragen, die Besucher mitbringen, und der Reihenfolge, in der sie diese Fragen stellen. Ein bewährtes Werkzeug dafür ist Card Sorting: potenzielle Nutzer ordnen Inhalte so, wie sie es erwarten – und zeigen damit, wie die Navigation aus ihrer Perspektive aussehen sollte, nicht aus der des Unternehmens.

Design, das differenziert – und nicht nur gefällt

Gutes Design ist keine Frage des Geschmacks. Es ist eine funktionale Anforderung.

Design erfüllt auf einer Website mehrere Aufgaben gleichzeitig. Es beeinflusst, ob ein Besucher in den ersten Sekunden das Gefühl hat, am richtigen Ort zu sein. Es signalisiert Positionierung – ob bewusst oder nicht. Ein minimalistisches, typografisch starkes Design kommuniziert etwas anderes als ein bildlastiges, warmes Layout, auch wenn beide dieselbe Leistung anbieten. Und es lenkt Aufmerksamkeit – auf das, was wichtig ist, wenn die Hierarchie stimmt, oder ins Leere, wenn sie es nicht tut.

Das Problem mit den meisten Website-Designs ist nicht, dass sie schlecht sind. Das Problem ist, dass sie austauschbar sind. Wer zehn Websites in derselben Branche nebeneinanderstellt, findet häufig dasselbe Layout, dieselbe Farbpalette in minimalen Variationen, dieselben Stockfotos, denselben Hero-Aufbau. Das ist kein Zufall – es ist das Ergebnis davon, dass die meisten Website-Projekte mit Templates beginnen, nicht mit der Frage: Wie sieht ein Unternehmen aus, das genau das ist, was wir sind?

Differenzierendes Design fragt: Was unterscheidet uns von unseren direkten Wettbewerbern, und wie kann Design das sichtbar machen? Das kann durch Typografie geschehen – eine ungewöhnliche, charakterstarke Schrift schafft mehr Wiedererkennungswert als jedes Logo. Es kann durch Farbgebung geschehen, die in der Branche unkonventionell ist, aber zum Charakter des Unternehmens passt. Es kann durch die Bildsprache geschehen – echte Fotos aus dem Alltag des Unternehmens kommunizieren mehr als generische Stockbilder. Und es kann durch Ton und Sprache geschehen: wie eine Seite spricht, sagt mehr über ein Unternehmen aus als das, was sie sagt.

Was vor dem ersten Klick im Tool entschieden werden muss

Es gibt eine Faustregel, die ich in meiner Arbeit gelernt habe: Je länger das konzeptionelle Vorfeld eines Website-Projekts, desto besser das Ergebnis – unabhängig davon, mit welchem Tool gebaut wird.

Was idealerweise vor dem ersten Entwurf feststeht: eine klare Antwort auf die Frage, welches Problem die Website für wen löst. Eine Beschreibung der wichtigsten Personas und ihrer Informationsbedürfnisse. Eine Entscheidung über die inhaltliche Positionierung: Welche Themen besetzt dieses Unternehmen, und mit welcher Tiefe? Eine Inhaltsstruktur, die aus der Außenperspektive entwickelt wurde. Ein Designprinzip, das aus der Positionierung abgeleitet ist, nicht aus einem Template.

Das klingt nach viel Arbeit vor der sichtbaren Arbeit – und das ist es auch. Aber es ist die Arbeit, die entscheidet, ob das Ergebnis eine Website ist, die ihren Zweck erfüllt, oder eine, die gut aussieht und trotzdem nicht funktioniert.

Wann welche Plattform tatsächlich den Ausschlag gibt

Nach allem Gesagten gibt es Kontexte, in denen die Plattformwahl doch relevant wird – wenn auch aus anderen Gründen, als meist diskutiert.

Wer absehbares Wachstum plant und die Website in zwei bis drei Jahren deutlich ausbauen möchte – mehr Sprachen, mehr Inhalte, tiefere Integrationen mit anderen Systemen –, sollte das in die Plattformwahl einberechnen. Framer ist in diesem Szenario das riskanteste Tool, weil Migrationen aufwändig sind und das CMS schnell an Grenzen stößt. Webflow skaliert weiter, hat aber ebenfalls Grenzen, die bei komplexen Inhaltsstrukturen relevant werden. Wer sehr ambitionierte Content-Anforderungen hat, ist mit einem echten Headless-Setup mit NextJS und einem dedizierten CMS wie Sanity oder Payload langfristig besser bedient – auch wenn die Einstiegsinvestition höher ist.

Wer DSGVO-Compliance als harte Anforderung hat, muss wissen, dass alle drei Plattformen US-Dienste sind. Das ist für manche Branchen und Unternehmenstypen ein echtes Ausschlusskriterium – dann führt kein Weg an einer eigenen Hosting-Infrastruktur vorbei, was die Baukastensysteme automatisch disqualifiziert.

Und wer heute mit begrenztem Budget schnell live gehen muss und keine ungewöhnlichen Anforderungen hat, für den ist die Entscheidung für Squarespace oder Framer pragmatisch richtig – solange das Konzept sitzt. Eine gut durchdachte Website auf Squarespace schlägt eine schlecht konzipierte auf Webflow jeden Tag.

Fazit: Die Frage hinter der Frage

Webflow, Framer oder Squarespace ist die falsche Frage – nicht weil sie unwichtig ist, sondern weil sie zu spät gestellt wird. Die Fragen, die vorher beantwortet werden müssen, sind: Für wen bauen wir diese Website? Was soll diese Person denken, fühlen, tun, nachdem sie die Seite besucht hat? Welche Inhalte braucht sie dafür? Wie ist die Seite strukturiert, damit sie diese Inhalte findet? Und wie sieht eine Seite aus, die dieses Unternehmen so darstellt, dass es unverwechselbar ist?

Wer diese Fragen beantwortet hat, kann guten Gewissens jedes der drei Tools wählen. Und wer sie nicht beantwortet hat, dem hilft keine Plattform.