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Web­site für mei­nen mit­tel­stän­di­schen Be­trieb: Framer oder Word­Press?

5 Min. LesezeitMatthias RadscheitMatthias Radscheit
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Die­se Fra­ge er­reicht mich öf­ter, als ich er­war­tet hät­te. Und meis­tens kommt sie von je­man­dem, der ge­ra­de eine neue Web­site plant, ein ers­tes An­ge­bot von ei­ner Agen­tur be­kom­men hat, und nun un­si­cher ist, ob die emp­foh­le­ne Tech­no­lo­gie wirk­lich die rich­ti­ge ist – oder die, die der Dienst­leis­ter am bes­ten be­herrscht.

Ich ver­su­che hier eine ehr­li­che Ant­wort zu ge­ben. Nicht die, die eine be­stimm­te Tech­no­lo­gie ver­kauft, son­dern die, die Ih­nen hilft, die Ent­schei­dung für Ih­ren kon­kre­ten Fall selbst zu tref­fen.

Was bei­de Tools sind – und was sie nicht sind

Word­Press ist seit 2003 auf dem Markt, be­treibt heu­te über 40 Pro­zent al­ler Web­sites welt­weit und ist das meist­ge­nutz­te Con­tent-Ma­nage­ment-Sys­tem der Welt. Das ist kei­ne Mar­ke­ting-Aus­sa­ge – das ist eine em­pi­ri­sche Tat­sa­che, die Kon­se­quen­zen hat: Es gibt welt­weit ei­nen rie­si­gen Markt an Ent­wick­lern, Agen­tu­ren und Free­lan­cern, die Word­Press be­herr­schen. Plug­ins für na­he­zu je­den An­wen­dungs­fall exis­tie­ren be­reits. Und die Wahr­schein­lich­keit, dass Word­Press in zehn Jah­ren noch exis­tiert und ge­war­tet wird, ist sehr hoch.

Framer ist et­was grund­le­gend an­de­res. Es ist pri­mär ein De­sign-Tool, das sich in der letz­ten Zeit zu ei­ner voll­stän­di­gen Web­site-Platt­form wei­ter­ent­wi­ckelt hat. De­si­gner kön­nen dar­in vi­su­ell ar­bei­ten, Ani­ma­tio­nen bau­en, In­ter­ak­tio­nen de­fi­nie­ren – und das Er­geb­nis di­rekt als funk­tio­nie­ren­de Web­site pu­bli­zie­ren. Framer ist für die Ziel­grup­pe die­ses Ar­ti­kels ver­gleichs­wei­se neu, wächst schnell und hat in der De­sign-Com­mu­ni­ty eine loya­le An­hän­ger­schaft.

Der ent­schei­den­de Un­ter­schied: Word­Press ist eine Soft­ware, die auf ei­nem Ser­ver be­trie­ben wird, den Sie oder Ihr Dienst­leis­ter kon­trol­liert. Framer ist ein ge­hos­te­ter Dienst – das be­deu­tet, Ihre Web­site läuft auf Framers In­fra­struk­tur, und Sie sind als Be­trei­ber von de­ren Ent­schei­dun­gen ab­hän­gig.

Was für Framer spricht

Framer-Web­sites se­hen in der Re­gel sehr gut aus. Das liegt dar­an, dass das Tool von De­si­gnern für De­si­gner ge­baut wur­de – Ani­ma­tio­nen, Über­gän­ge, mo­der­ne Lay­out-Kon­zep­te sind in Framer ein­fa­cher um­zu­set­zen als in Word­Press. Wenn Sie eine Agen­tur, ein Be­ra­tungs­un­ter­neh­men oder ein Un­ter­neh­men mit ho­hem An­spruch an vi­su­el­le Wir­kung sind und kei­ne kom­ple­xen Re­dak­ti­ons­pro­zes­se brau­chen, kann Framer die schnel­le­re und in der Um­set­zung güns­ti­ge­re Wahl sein.

Framer ist auch für klei­ne­re Teams at­trak­tiv, die ihre Web­site selbst pfle­gen wol­len, ohne tech­ni­sches Vor­wis­sen vor­aus­zu­set­zen. Die Ober­flä­che ist zu­gäng­li­cher als das klas­si­sche Word­Press-Ba­ckend, und für Web­sites mit über­schau­ba­rem In­halts­um­fang – Leis­tungs­sei­ten, Team, Re­fe­ren­zen, Kon­takt – reicht das in vie­len Fäl­len aus.

Ein wei­te­rer Vor­teil: Per­for­mance. Framer-Web­sites la­den schnell, weil die Platt­form die tech­ni­sche Op­ti­mie­rung über­nimmt. Core Web Vi­tals, die Goog­le für das Ran­king her­an­zieht, sind bei Framer-Web­sites in der Re­gel gut – ohne dass Sie sich dar­um küm­mern müs­sen.

Was ge­gen Framer spricht – und was oft ver­schwie­gen wird

Framer ist ein US-ame­ri­ka­ni­scher Dienst. Ihre Web­site-Da­ten, For­mu­lar­ein­ga­ben und Nut­zer­inter­ak­tio­nen lau­fen über Framers In­fra­struk­tur. Für die meis­ten Mar­ke­ting-Web­sites ist das kein aku­tes Pro­blem, aber es ist eine Ab­hän­gig­keit, die man be­nen­nen soll­te: Sie ha­ben kei­ne Kon­trol­le dar­über, wo Ihre Da­ten ge­spei­chert wer­den, was pas­siert, wenn Framer sei­ne Prei­se än­dert, oder was mit Ih­rer Web­site pas­siert, wenn Framer als Un­ter­neh­men eine an­de­re Rich­tung ein­schlägt.

Der An­bie­ter-Lock-in ist real. Eine Framer-Web­site ist in Framer ge­baut – sie lässt sich nicht ohne er­heb­li­chen Auf­wand zu ei­ner an­de­ren Platt­form mi­grie­ren. Bei Word­Press ist das an­ders: Der Quell­code ge­hört Ih­nen, die Da­ten­bank ge­hört Ih­nen, und Sie kön­nen zu ei­nem an­de­ren Hos­ter oder ei­nem an­de­ren Dienst­leis­ter wech­seln, wann im­mer Sie es möch­ten.

Framer hat au­ßer­dem kla­re Gren­zen, so­bald die An­for­de­run­gen wach­sen. Mehr­spra­chig­keit ist mög­lich, aber auf­wän­dig. Kom­ple­xe­re In­halts­struk­tu­ren – etwa ein Pro­dukt­ka­ta­log, ein News­room mit hun­der­ten Ar­ti­keln, oder ein Kun­den­be­reich – sind ent­we­der gar nicht oder nur mit er­heb­li­chem Zu­satz­auf­wand ab­bild­bar. Wer heu­te mit ei­ner ein­fa­chen Framer-Web­site star­tet und in zwei Jah­ren eine mehr­spra­chi­ge Platt­form mit an­ge­bun­de­nem CRM braucht, wird wahr­schein­lich neu bau­en.

Was für Word­Press spricht

Word­Press ist in der Brei­te das fle­xi­ble­re Sys­tem. Es gibt kaum eine Web­site-An­for­de­rung, die sich mit Word­Press nicht ab­bil­den lässt – von der ein­fa­chen Un­ter­neh­mens­web­site bis zum mehr­spra­chi­gen In­tra­net, vom Blog bis zum Shop. Das Plug­in-Öko­sys­tem, so un­über­sicht­lich es manch­mal ist, deckt die meis­ten Stan­dard­an­for­de­run­gen ab, ohne dass da­für in­di­vi­du­el­le Ent­wick­lung nö­tig wäre.

Be­son­ders re­le­vant für mit­tel­stän­di­sche Be­trie­be: Die Re­dak­ti­ons­ebe­ne. Wenn meh­re­re Per­so­nen In­hal­te pfle­gen, Bei­trä­ge frei­ge­ben und ak­tua­li­sie­ren sol­len – und das ohne tech­ni­sches Vor­wis­sen –, ist Word­Press in die­ser Dis­zi­plin seit Jah­ren gut ein­ge­spielt. Rol­len, Be­rech­ti­gun­gen, Re­dak­ti­ons­work­flows, Ver­sio­nie­rung von In­hal­ten: al­les vor­han­den.

Und wenn Ihre Web­site wächst – mehr Sei­ten, mehr Spra­chen, In­te­gra­ti­on ei­nes Shops, An­bin­dung an ein CRM oder ERP –, bleibt Word­Press die Platt­form, die das ohne grund­le­gen­de Um­ar­chi­tek­tur mit­trägt. Das ist ein Wert, der sich nicht in ei­nem Preis­ver­gleich zeigt, aber in der Pra­xis oft ent­schei­dend ist.

Die Fra­ge, die ich mei­nen Kun­den stel­le

Wenn je­mand zu mir kommt und die­se Ent­schei­dung tref­fen muss, stel­le ich eine Fra­ge: Was soll die­se Web­site in drei Jah­ren kön­nen?

Wenn die Ant­wort lau­tet: un­ge­fähr das­sel­be wie heu­te, nur mit ak­tua­li­sier­ten In­hal­ten und viel­leicht ei­ner neu­en Re­fe­renz – dann ist Framer eine le­gi­ti­me Op­ti­on, be­son­ders wenn De­sign und schnel­le Um­set­zung im Vor­der­grund ste­hen.

Wenn die Ant­wort lau­tet: wir wol­len ei­nen Blog auf­bau­en, mehr­spra­chig wer­den, un­se­ren Shop in­te­grie­ren oder un­se­ren Kun­den ei­nen ei­ge­nen Be­reich ge­ben – dann ist Word­Press die sta­bi­le­re In­ves­ti­ti­on, weil die Ar­chi­tek­tur die­se Er­wei­te­run­gen von An­fang an vor­sieht.

Und wenn die Ant­wort lau­tet: wir wis­sen es noch nicht ge­nau – dann emp­feh­le ich Word­Press. Nicht weil es das auf­re­gen­de­re Tool ist, son­dern weil es mehr Tü­ren of­fen lässt.

Was ich nicht emp­feh­le

Ich emp­feh­le auf je­den Fall, die Web­site nicht mit ei­nem Page Buil­der wie Ele­men­tor oder Divi auf Word­Press auf­zu­set­zen. Die­se Tools ver­spre­chen vi­su­el­le Fle­xi­bi­li­tät, bau­en aber struk­tu­rel­len Over­head auf, der die Per­for­mance be­las­tet, Up­dates er­schwert und die Web­site lang­fris­tig schwe­rer wart­bar macht. Wer Word­Press rich­tig nut­zen will, setzt auf ein sau­be­res The­me oder eine Head­less-Ar­chi­tek­tur mit Next­JS als Front­end – mehr Auf­wand in der Ein­rich­tung, aber deut­lich zu­kunfts­fä­hi­ger.

Eben­so emp­feh­le ich, die Ent­schei­dung nicht aus­schließ­lich am Preis der in­itia­len Um­set­zung zu tref­fen. Eine Framer-Web­site, die in ei­nem Jahr we­gen ge­wach­se­ner An­for­de­run­gen neu ge­baut wer­den muss, ist teu­rer als eine Word­Press-In­stal­la­ti­on, die von An­fang an auf Er­wei­ter­bar­keit aus­ge­legt war.

Kurz ge­sagt

Framer ist ein gu­tes Werk­zeug für Web­sites, die vor al­lem ei­nes sein sol­len: schnell, vi­su­ell stark und pfleg­bar ohne tech­ni­sches Vor­wis­sen. Es hat sei­nen Platz, be­son­ders für Agen­tu­ren, Be­ra­tun­gen und Un­ter­neh­men mit sta­bi­len, über­schau­ba­ren Web­site-An­for­de­run­gen.

Word­Press ist die stär­ke­re Wahl für al­les, was wächst, was re­dak­tio­nell be­trie­ben wird, was in be­stehen­de Sys­te­me in­te­griert wer­den soll, oder wo Da­ten­kon­trol­le und Un­ab­hän­gig­keit vom An­bie­ter eine Rol­le spie­len.

Wenn Sie sich nicht si­cher sind, wel­che Ka­te­go­rie Ihr Be­trieb ist, fra­gen Sie mich – das ist ge­nau das Ge­spräch, das ich ger­ne mit Ih­nen füh­re.

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