Was kostet ein MVP? Erst die Frage, dann der Preis
Die Kosten für ein MVP reichen im Markt von 25 € im Monat für einen KI-Baukasten bis zu sechsstelligen Agenturbudgets. Die meisten Agenturen im DACH-Raum nennen 15.000 bis 50.000 €. Dieser Ratgeber legt die Kosten von KI-Baukasten, Freelancer, Agentur und eigenem Team mit Quellen und Stand-Datum nebeneinander. Unsere eigenen Preise stehen bewusst nicht hier, sondern auf der Seite MVP entwickeln lassen.
Vorab zum Begriff: Eric Ries hat das MVP 2009 als die Version eines neuen Produkts beschrieben, mit der ein Team bei geringstem Aufwand am meisten gesichertes Wissen über seine Kunden gewinnt. Im selben Text steht ein Satz, der die Kostenfrage verändert: «MVP, despite the name, is not about creating minimal products.» Mit einem MVP kaufst du also eine Antwort, kein fertiges Produkt.
Daraus folgt die erste Kostenregel: Was ein MVP kosten darf, hängt an der Frage, die es beantworten soll. Eine Warteliste prüft Interesse, ein Abo mit echter Zahlung prüft Zahlungsbereitschaft. Die Agentur TJ Labs veranschlagt für eine Landingpage mit Warteliste 3.000 bis 8.000 €, für ein Web-App-MVP 20.000 bis 50.000 €.
Eine Vorfrage spart zuweilen das ganze Budget: Ist es überhaupt ein MVP? Willst du herausfinden, ob Kunden ein neues Produkt nutzen und bezahlen, geht es um ein MVP. Willst du einen bekannten Ablauf im eigenen Haus digitalisieren, geht es um Individualsoftware, die sich nach anderen Regeln rechnet.
Schwankst du noch, welche Form dein Produkt braucht, hilft unser Vergleich Website, Web-App oder Portal.
Zur Datenbasis: Wir haben am 10. Oktober 2026 die deutschen Suchergebnisse bei Brave Search zu «was kostet ein MVP», «MVP Kosten» und «MVP entwickeln lassen Kosten» ausgewertet. Keiner der Ratgeber stellt diese vier Wege mit Quellen und Stand-Datum nebeneinander. Betriebskosten erscheinen meist als Pauschale ohne Anbieter und Datum.
Vier Wege zum MVP und ihre Preislogik
Der Reihe nach: Wir vergleichen vier Wege zum MVP, und jeder rechnet anders ab. Nearshore-Teams, also Entwickler im nahen Ausland, lassen wir außen vor; ihre Sätze liegen laut easy.bi bei 40 bis 80 € pro Stunde. Die Tabelle fasst die Zahlen mit Quelle zusammen, Stand 10. Oktober 2026.
Wir betrachten hier MVPs, die im Browser laufen. Für ein MVP als reine Handy-App im Google-Umfeld ist Firebase meist der einfachere Start; warum, zeigt unser Vergleich Supabase oder Firebase.
| Weg | Abrechnung | Zahlen mit Quelle | Passt, wenn … |
|---|---|---|---|
| KI-Baukasten | Abo plus Verbrauch | Lovable Pro 25 € im Monat, Bolt Pro 25 $ im Monat, dazu Verbrauch für Cloud und KI | keine echten Kundendaten und keine Zahlungen im Spiel sind |
| Freelancer | Stunden mal Satz | Median 90 € pro Stunde in der Software- und Webentwicklung | jemand im Gründerteam technisch steuern kann |
| Agentur im DACH-Raum | Festpreis oder Aufwand | meist 15.000 bis 50.000 €; veröffentlichte Spannen reichen von rund 8.000 bis 250.000 €, eine Landingpage mit Warteliste ab 3.000 € | Zahlungen, echte Kundendaten und Fragen des Firmeneinkaufs dazukommen |
| Eigenes Team | Gehalt plus Lohnnebenkosten | Median 6.301 € brutto im Monat je Stelle auf Expertenniveau, 7,7 Monate bis zur Besetzung | das Produkt seinen Markt gefunden hat |
KI-Baukasten: Abo plus Verbrauch
KI-Baukästen wie Lovable und Bolt erzeugen eine lauffähige Anwendung aus Textanweisungen. Lovable kostet im Pro-Tarif 25 € im Monat mit 100 Credits, im Business-Tarif 50 €, jeweils inklusive Umsatzsteuer. Credits sind Guthabenpunkte für Bauen, Chat, Hosting, Backend und die KI-Funktionen der fertigen App; 50 weitere kosten im Pro-Tarif 15 $.
Bolt rechnet in Tokens, also in Mengeneinheiten der KI-Nutzung: Der Pro-Tarif beginnt bei 25 $ im Monat für 10 Millionen Tokens. Lovable kündigt in seiner Dokumentation an, dass das Chat-Preismodell nur bis zum 31. Oktober 2026 gilt und die Inklusivmengen für Cloud und KI vorläufig sind. Prüfe die Preise deshalb am Tag deiner Entscheidung.
Zum Eigentum ist Lovable deutlich: «Dir gehört dein Code», heißt es in der FAQ, allerdings «vorbehaltlich etwaiger Rechte Dritter an den zugrunde liegenden KI-Modellen». Teurer wird es mit dem Erfolg. Apps mit vielen Besuchern oder großem Umfang können laut Lovable Kosten über das Inklusivkontingent hinaus verursachen.
Für eine Vorführung vor Investoren ist der Baukasten der günstigste Weg. Seine Grenze liegt dort, wo echte Kundendaten und Zahlungen ins Spiel kommen: Dann zählen Datenmodell, Rechte und Betrieb mehr als das Tempo beim Bauen. Bei einem späteren Umzug ist selten die Oberfläche teuer, sondern das Datenmodell; das zeigt unser Artikel zum Wechsel von Firebase zu Supabase.
Freelancer: 90 € pro Stunde im Median
Für freie Entwickler gibt es eine belastbare Zahl: Der Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap nennt für die Software- und Webentwicklung einen Median von 90 € pro Stunde, über alle IT-Fachbereiche 95 €. Grundlage sind vier Umfragen unter 5.412 Nutzern der Plattform und anonymisierte Daten von über 340.000 Nutzern aus dem DACH-Raum. Je 100 Stunden kosten zum Median also 9.000 €.
Was ein einzelner Freelancer selten mitbringt: Projektleitung, eine zweite Person für das Code-Review und eine Vertretung im Urlaub. Für ein MVP muss das kein Nachteil sein, solange jemand im Gründerteam technisch steuern kann.
Agentur im DACH-Raum: meist 15.000 bis 50.000 €
Agenturen veröffentlichen Spannen, und die meisten liegen zwischen 15.000 und 50.000 €. Genau diese Spanne nennen proreactware aus Ingolstadt und business.digital als allgemeinen Korridor für ein MVP. Eine Web-App mit Backend und Login setzt proreactware mit 25.000 bis 50.000 € an. Groenewold IT veranschlagt 15.000 bis 40.000 € netto für eine Web-App mit zwei bis drei Kernfunktionen, easy.bi und bytefront nennen dieselbe Spanne für ein einfaches MVP.
Nach unten und oben franst der Markt aus. BlueBranch aus Fürth wirbt mit «ab rund 8.000 €» für einen schlanken Umfang. TJ Labs veranschlagt für komplexe MVPs wie Marktplätze 50.000 bis 100.000 €, easy.bi und bytefront setzen ihre größte Stufe bei bis zu 250.000 € an. Die Stundensätze liegen laut TJ Labs in Berlin bei 95 bis 145 €, laut decivo für erfahrene Entwickler bei 80 bis 140 €.
Zur Einordnung: Das sind Anbieterangaben, keine Marktstatistik, und kaum eine Seite nennt eine Quelle. Rechne kurz nach: Die veröffentlichten Agentursätze reichen von 80 € (easy.bi) bis 200 € (proreactware) pro Stunde, das ist Faktor 2,5. Die Spanne von 15.000 bis 50.000 € umfasst Faktor 3,3. Einen großen Teil der Spreizung erklärt damit der Stundensatz, den Rest der Umfang: das, was im Preis steckt.
Eigenes Team: der langsamste Weg
Für ein eigenes Team gibt es keinen Projektpreis, nur Gehälter. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für Berufe in der Softwareentwicklung auf Expertenniveau einen Median von 6.301 € brutto im Monat aus. Aufs Jahr gerechnet sind das 75.612 € für eine Stelle, ohne Lohnnebenkosten, Arbeitsplatz und Ausstattung.
Was eine Arbeitsstunde den Arbeitgeber kostet, misst das Statistische Bundesamt: In der Branche Information und Kommunikation waren es 2025 im Schnitt 58,50 € je geleistete Stunde, Bruttoverdienst und Lohnnebenkosten zusammen. Dazu kommt die Zeit: Laut Bitkom dauert es im Schnitt 7,7 Monate, eine freie IT-Stelle zu besetzen.
Für ein MVP ist das der langsamste Weg: Bis die Stelle besetzt ist, liefern die anderen drei Wege längst Messwerte. Eine Person allein ist zudem kein Team, denn bei Urlaub oder Krankheit vertritt sie niemand. Wir raten deshalb davon ab, zu früh festanzustellen; wann welches Modell passt, zeigt unser Vergleich Inhouse, Freelancer oder Agentur.
Der günstigste Weg ist der, der deine Frage gerade noch beantwortet.
Fünf Kostentreiber, die den MVP-Preis bewegen
Bevor es um Technik geht: Den Preis bestimmt zuerst die Länge der Funktionsliste. Pendo hat 2019 die Nutzungsdaten der Softwareprodukte seiner Kunden ausgewertet: Im Durchschnitt werden 80 % der Funktionen selten oder nie genutzt, 12 % erzeugen 80 % der täglichen Nutzung. Basis waren 615 Kundenkonten mit mehr als einem Jahr Nutzung.
Für dein MVP heißt das: Jede Funktion, die du streichst, musst du weder bauen noch betreiben. Was übrig bleibt, bewegen fünf Größen. Die fünf unterscheiden sich im Preis und vor allem darin, wie teuer es wird, sie später nachzurüsten.
Integrationen: lesend zuerst
Eine Integration verbindet dein MVP mit einem anderen System, etwa dem ERP-System, in dem eine Firma Aufträge, Lager und Rechnungen führt. Der Preis hängt an einer Unterscheidung: Daten nur zu lesen und anzuzeigen, ist überschaubar. Daten zurückzuschreiben verlangt Fehlerbehandlung, automatische Wiederholversuche und Abstimmung mit dem Dienstleister des fremden Systems.
Im MVP gilt deshalb: zuerst lesend anbinden. Schreibend erst, wenn die Messphase den Bedarf belegt, also die ersten Wochen mit echten Nutzern. So gehen wir auch bei der Anbindung von Kundenportalen an ERP und SSO vor: Die erste Version zeigt Daten, schreibende Vorgänge folgen später.
Rollen und Mandanten
Eine Rolle legt fest, was jemand im System darf. Zwei Rollen wie Kunde und Administrator sind eine einfache Fallunterscheidung. Ein Mandant ist dagegen eine Kundenfirma, deren Daten strikt von denen anderer Firmen getrennt sein müssen. Verkaufst du dein MVP an Unternehmen, gehört diese Trennung von Anfang an ins Datenmodell.
Teuer wird die Trennung, wenn jeder Programmteil sie einzeln prüft. Günstiger ist sie direkt in der Datenbank per Row Level Security: Die Datenbank liefert jeder Firma nur ihre eigenen Zeilen. Wie das ohne zusätzliche Zwischenschicht im Code funktioniert, zeigt unser Artikel zu Row Level Security in Supabase.
Zahlungen
Zahlungen kosten zweimal: beim Bau und bei jeder Transaktion. Für die Integration nennen Anbieter 3.000 bis 6.000 € (proreactware) oder rund 4.000 € (business.digital). Laufend berechnet Stripe für Standardkarten aus dem EWR 1,5 % plus 0,25 € je Zahlung, für Premiumkarten 2,8 % plus 0,25 € und für SEPA-Lastschriften 0,35 €.
Abos über Stripe Billing kosten zusätzlich 0,7 % des abgerechneten Volumens, Einrichtungs- oder Monatsgebühren fallen nicht an. Ein Beispiel: Ein Abo für 49 € im Monat kostet bei Zahlung mit einer Standardkarte rund 1,33 € Gebühren, also 2,7 %. Per Lastschrift sind es rund 0,69 €. Welche Rolle Stripe in unseren Projekten spielt, steht in der Übersicht über unsere Technologien.
Firmenlogin (SSO)
Firmenkunden wollen, dass sich ihre Leute mit dem eigenen Firmenkonto anmelden: Single Sign-on, kurz SSO. Die Backend-Plattform Supabase bietet SSO per SAML 2.0 ab dem Pro-Plan an, 50 SSO-Nutzer im Monat sind enthalten, jeder weitere kostet 0,015 $. WorkOS rechnet dagegen je Verbindung, also je Kundenfirma: 125 $ im Monat pro Verbindung bei bis zu 15 Verbindungen, gestaffelt bis 65 $ bei 51 bis 100.
Zum Vergleich: Zehn Kundenfirmen mit zusammen 500 SSO-Nutzern kosten bei Supabase 6,75 $ im Monat zusätzlich zum Pro-Plan, bei WorkOS 1.250 $. Die Alternative zur Anmeldung von Supabase (Supabase Auth) ist Keycloak, ein Open-Source-Server für Anmeldung und Rechte. Er kostet keine Lizenzgebühr, sein Betrieb aber schon; das rechnet unser Artikel Was kostet Keycloak? vor. Wann du ihn brauchst, zeigt Reicht Supabase Auth?
Nachweise für den Einkauf und KI-Regeln
Der Einkauf größerer Firmen fragt nach Nachweisen wie einem SOC-2-Prüfbericht oder einer ISO-27001-Zertifizierung. Bei Supabase gehören beide erst zum Team-Plan für 599 $ im Monat. Eine eigene Zertifizierung hat ein MVP in der Regel nicht. Die Unterlagen, die der Einkauf sehen will, lassen sich aber von Anfang an vorbereiten.
Planst du eine KI-Funktion, kommt die KI-Verordnung der EU (AI Act) dazu: Die Transparenzpflichten aus Art. 50 gelten laut EU-Kommission seit August 2026, etwa der Hinweis, dass jemand mit einer KI spricht. Die Hochrisiko-Regeln greifen erst ab dem 2. Dezember 2027 (Anhang III) bzw. 2. August 2028 (Anhang I). Für ein MVP heißt das meist: Kennzeichnung einplanen, Einstufung dokumentieren.
Vertagen lässt sich vieles, etwa das Zurückschreiben in fremde Systeme. Die Trennung der Kundenfirmen gehört dagegen ab dem ersten Tag ins Datenmodell.
Versteckte Kosten: vier Posten, die in MVP-Kalkulationen oft fehlen
Eine Kalkulation beschreibt meist, was gebaut wird, und selten, was der Betrieb danach braucht. In den ausgewerteten Kostenratgebern taucht kaum einer der folgenden vier Posten als prüfbare Leistung auf, obwohl du alle vier ab dem ersten echten Nutzer brauchst. Frag deshalb in jedem Angebot danach; die vollständige Liste mit zwölf Posten und elf Prüffragen steht in unserem Artikel zu den Kosten der Softwareentwicklung.
Testumgebung
Eine Testumgebung ist eine zweite Instanz deines MVP, in der du Änderungen prüfst, bevor Kunden sie sehen. Ohne sie testet dein Kunde. Technisch ist sie günstig: Supabase berechnet für eine abgezweigte Vorschau-Datenbank (Branching) 0,01344 $ je Stunde, ein ganzer Monat Dauerbetrieb mit 730 Stunden kostet damit 9,81 $. Der Aufwand liegt im Einrichten, nicht im Betrieb.
Backup mit getestetem Restore
Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist eine Hoffnung. Das BSI macht den Test im Baustein CON.3 zur Basis-Anforderung: Es «MUSS regelmäßig getestet werden», ob gesicherte Daten «einwandfrei und in angemessener Zeit zurückgespielt werden können». Auch Art. 32 DSGVO nennt, je nach Risiko, die Fähigkeit zur raschen Wiederherstellung nach einem Zwischenfall und ein Verfahren, die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen regelmäßig zu überprüfen.
Im Supabase-Pro-Plan sind tägliche Backups mit sieben Tagen Aufbewahrung enthalten. Wer feiner zurückspringen will, bucht Point-in-Time-Recovery, also die Wiederherstellung auf einen beliebigen Zeitpunkt: 100 $ im Monat für sieben Tage, dazu laut Supabase-Dokumentation mindestens die Compute-Stufe Small. Der eigentliche Posten ist aber der Test: zurückspielen, die Dauer messen, das Ergebnis protokollieren und das regelmäßig wiederholen.
Updates
Software altert auch ohne neue Funktionen. Ein Beispiel ist die JavaScript-Laufzeitumgebung Node.js: Version 20 bekommt seit dem 30. April 2026 keine Updates mehr, Version 22 noch bis zum 30. April 2027. Für den Produktivbetrieb empfiehlt das Projekt ausschließlich Versionen mit Langzeitpflege (LTS). Wer sein MVP heute auf Node.js 22 startet, plant den Umstieg also schon für das erste Betriebsjahr ein.
Node.js 24 bekommt Updates bis zum 30. April 2028, Node.js 26 soll laut Zeitplan am 28. Oktober 2026 zur LTS-Version werden. Dazu kommen die Abhängigkeiten, also fremde Bibliotheken, die ihrerseits Sicherheitsupdates bekommen. Updates sind deshalb kein Extra, sondern ein fester Posten im Betrieb.
AVV und TOM
Sobald dein MVP personenbezogene Daten verarbeitet, brauchst du mit jedem Dienstleister, der sie in deinem Auftrag verarbeitet, einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV). Art. 28 DSGVO verlangt, dass dieser Vertrag unter anderem Gegenstand, Dauer, Art und Zweck der Verarbeitung festlegt. Das betrifft Hosting, E-Mail-Versand und die Agentur oder den Freelancer, der den Betrieb betreut.
Die technischen und organisatorischen Maßnahmen (TOM) nach Art. 32 beschreiben, wie du die Daten schützt. Für dich ist das eine Pflicht, für deine Firmenkunden eine Einkaufsfrage. Welche Unterlagen der Einkauf außerdem sehen will, steht in unserem Artikel zum Trust Center für dein SaaS-Produkt, einer öffentlichen Seite mit deinen Sicherheitsnachweisen.
Fehlen diese Posten im Angebot, bezahlst du sie trotzdem: später, als Nachtrag oder als Vorfall.
Betriebskosten eines MVP nach dem Start
Mit dem Start endet der Bau, nicht die Rechnung. Ab jetzt kommt sie jeden Monat, und sie besteht aus drei Teilen: Dienste, Gebühren und Stunden. Die Tabelle zeigt die Listenpreise eines Beispiel-Aufbaus mit Supabase als Backend, Stand 10. Oktober 2026. Was Supabase genau ist, erklärt unser Artikel Was ist Supabase?
| Dienst | Einstieg für den Betrieb | Mehr zahlst du … |
|---|---|---|
| Supabase (Datenbank, Anmeldung) | Pro ab 25 $ im Monat: 100.000 monatlich aktive Nutzer, 8 GB Speicher, 250 GB Datentransfer | über den Inklusivmengen und für Zusatzleistungen wie SSO-Nutzer ab dem 51. |
| Vercel (Hosting) | Pro 20 $ im Monat mit 20 $ Nutzungsguthaben, ein Entwickler-Zugang enthalten | für jeden weiteren Entwickler-Zugang, je 20 $ im Monat |
| Resend (E-Mail) | Free: 3.000 E-Mails im Monat, höchstens 100 am Tag | ab Pro: 20 $ im Monat für 50.000 E-Mails ohne Tageslimit |
| Sentry (Fehlerüberwachung) | Developer 0 $: eine Person, 5.000 Fehler | ab Team: 26 $ im Monat bei jährlicher Zahlung (monatlich 29 $), beliebig viele Personen, 50.000 Fehler |
Für ein MVP mit wenigen Nutzern ergibt das 45 $ im Monat: Supabase Pro und Vercel Pro, E-Mail und Fehlerüberwachung im Gratistarif. Mit einem zweiten Entwickler-Zugang, Resend Pro und Sentry Team sind es 111 $, mit monatlich bezahltem Sentry 114 $. Zwei Gratistarife taugen dagegen nur für den Bau: Supabase Free pausiert Projekte nach einer Woche ohne Aktivität, und Vercel Hobby ist laut Preisseite «for personal, non-commercial use».
Die Gebühren hängen am Umsatz (siehe Zahlungen), der dritte Teil sind Stunden: Updates, Überwachung und kleine Korrekturen. Im Markt kursieren dafür Faustregeln zwischen 10 und 30 % der Entwicklungskosten pro Jahr, meist ohne Beleg. Rechne lieber in Stunden: Für eine Webanwendung dieser Größe sind aus unserer Erfahrung zwei bis fünf Stunden im Monat realistisch.
Bewertet zum Freelancer-Median von 90 € pro Stunde sind das 180 bis 450 € im Monat. Agenturen rechnen mit ihrem eigenen Stundensatz.
Betrieb ist ein eigener Posten, kein Prozentsatz der Entwicklung.
Rechenbeispiel: MVP-Bau plus erstes Betriebsjahr
Zum Rechnen nehmen wir kein eigenes Angebot, sondern ein Beispiel aus dem Markt. Das Magazin von business.digital überschlägt aus seiner Projekterfahrung ein MVP für rund 28.000 € netto und zerlegt es in Posten: Konzeption 3.000 €, Design 4.000 €, Kernfunktion mit Nutzerkonten und Verwaltungsbereich 14.000 €, Zahlungsanbindung 4.000 €, Test, Hosting-Einrichtung und Livegang 3.000 €. Es ist das einzige deutsche Rechenbeispiel mit Einzelposten, das wir in den Suchergebnissen gefunden haben. Und es endet mit dem Livegang.
Wir rechnen es um zwölf Monate Betrieb weiter, mit drei Annahmen. Erstens läuft das MVP kommerziell, also mit Supabase Pro und Vercel Pro. Zweitens kostet das Abo 49 € im Monat und wird per Karte über Stripe Billing bezahlt. Drittens fallen zwei bis fünf Betreuungsstunden im Monat an, bewertet zum Freelancer-Median von 90 €.
| Posten | Grundlage | Bau plus 12 Monate |
|---|---|---|
| Bau bis zum Livegang | Beispiel von business.digital, netto | 28.000 € |
| Betreuung | 2 bis 5 Stunden im Monat zu 90 € | 2.160 bis 5.400 € |
| Dienste | Supabase Pro und Vercel Pro, 45 $ im Monat | 540 $ |
| Testumgebung | eine Vorschau-Datenbank rund um die Uhr, 0,01344 $ je Stunde | 117,73 $ |
| Restore-Test, AVV und TOM | im Beispiel nicht ausgewiesen | im Angebot erfragen |
| Zahlungsgebühren | rund 1,33 € je Abo-Zahlung über 49 € | je nach Umsatz |
Ergebnis: Bau und erstes Betriebsjahr kosten zusammen 30.160 bis 33.400 € plus 657,73 $ für Dienste und Testumgebung, ohne Steuern und Zahlungsgebühren. Der Bau ist der größte Block, doch Betreuung und Dienste laufen weiter, wenn das Projekt längst abgerechnet ist.
Die Reserve für die Zeit nach der Messung
Wichtiger als die Summe ist, was nach der Messphase kommt. CB Insights hat 431 mit Wagniskapital finanzierte Start-ups ausgewertet, die seit 2023 geschlossen wurden; bei 385 war der Grund erkennbar. Am häufigsten war das Kapital ausgegangen, in 70 % der Fälle. Das mediane Unternehmen hatte zuvor 11 Mio. $ eingesammelt.
CB Insights ordnet die 70 % selbst ein: Das ausgegangene Kapital ist fast immer der Schlusspunkt, nicht die Ursache. Dahinter stehen fehlender Product-Market-Fit, also zu wenig Nachfrage nach dem Produkt (43 %), ein falscher Zeitpunkt (29 %) und nicht tragfähige Stückkosten (19 %). Mehrere Gründe je Fall waren möglich.
Für dein MVP heißt das: Halte einen Teil des Budgets zurück. Ein MVP, das alles verbraucht, beantwortet seine Frage und lässt dir kein Geld, um auf die Antwort zu reagieren.
Festpreis oder Aufwand: Was beim MVP anders ist
Zur Vertragsform zuerst die Rechtslage: Beim Werkvertrag nach § 631 BGB schuldet der Anbieter das versprochene Werk, beim Dienstvertrag nach § 611 BGB nur die versprochenen Dienste. Im ersten Fall trägt der Anbieter das Risiko, dass die Software nicht fertig wird. Im zweiten trägst du es. Was bei der Abnahme gilt, steht in unserem Kostenratgeber zur Softwareentwicklung.
Beim MVP kommt eine Besonderheit dazu: Product-Market-Fit kann dir kein Anbieter vertraglich schulden. Ein Werkvertrag sichert, dass die erste Version wie beschrieben läuft, nicht, dass Kunden sie wollen. Deshalb passt der Festpreis zur ersten Version mit festem Umfang. Für alles, was du nach dem Start aus den Messwerten lernst, passt Abrechnung nach Aufwand mit Budgetdeckel.
Ein Festpreis setzt einen klaren Umfang voraus. Den liefert eine kurze, bezahlte Konzeptphase, die im Markt oft «Discovery» heißt. Der österreichische Anbieter Wavect etwa berechnet dafür 3.500 € für zwei bis drei Wochen, rechnet den Betrag bei Beauftragung voll an und bietet danach einen Festpreis per Werkvertrag.
Unsere Erfahrung aus über 150 abgeschlossenen Projekten deckt sich damit: Festpreis für eine kleine, scharf geschnittene erste Stufe, danach Aufwand mit Budgetdeckel und Freigabe alle zwei Wochen. Nach diesem Muster bieten wir auch das MVP zum Festpreis an.
Der Festpreis kauft dir Planbarkeit beim Bau, nicht die Gewissheit, dass der Markt mitspielt.
Förderung fürs MVP: erst die Bewilligung, dann der Vertrag
Fördermittel können ein MVP günstiger machen, aber nur in der richtigen Reihenfolge. Einen neutralen Einstieg bietet die Förderdatenbank des Bundes mit Programmen von Bund, Ländern und EU. Eine Programmliste ersparen wir dir, denn Programme, Fristen und Budgets ändern sich laufend.
Die wichtigste Regel steht in den Verwaltungsvorschriften zu den Haushaltsordnungen. In Brandenburg dürfen Zuwendungen «nur für solche Vorhaben bewilligt werden, die noch nicht begonnen worden sind». Als Beginn gilt «grundsätzlich der Abschluss eines der Ausführung zuzurechnenden Lieferungs- oder Leistungsvertrages».
Mit dem Antrag erklärst du außerdem, vor dem Zuwendungsbescheid nicht ohne Zustimmung der Bewilligungsbehörde zu beginnen. Wer den Entwicklungsvertrag vor der Bewilligung unterschreibt, riskiert also die Förderung. Vergleichbare Regeln enthalten die Vorschriften zu anderen Haushaltsordnungen.
Ausnahmen kann die Bewilligungsbehörde im Einzelfall zulassen, das zuständige Ministerium auch für ganze Förderbereiche. Manche Programme erlauben deshalb den Start schon ab Antragseingang, allerdings ohne Gewähr auf die Bewilligung. Was gilt, steht in der jeweiligen Förderrichtlinie. Plane den Projektstart im Zweifel hinter die Bewilligung, denn ein Förderantrag ist selbst Arbeit, und die Bewilligung braucht Zeit.
Zwei Programme haben wir einzeln beschrieben: BIG-Digital in Brandenburg und die KI-Förderung in Mecklenburg-Vorpommern. Beide fördern Vorhaben im eigenen Betrieb; für ein Produkt, das du an externe Kunden verkaufen willst, passen sie nicht. Ein Grundsatz aus unserem Fahrplan zur KI-Einführung gilt aber auch fürs MVP.
Die Förderung darf nie das Projekt begründen.
Nächste Schritte: drei Antworten vor dem ersten Angebot
Bevor du Angebote einholst, beantworte drei Fragen schriftlich. Eine Seite reicht, und erst mit ihr werden Angebote vergleichbar.
- Lernfrage: Welche Frage soll dein MVP beantworten, und an welcher Zahl erkennst du nach dem Start die Antwort?
- Weg: Welcher der vier Wege passt zu deinen Daten, deinen Kunden und deinem Budget?
- Pflichtposten: Welche Posten muss jedes Angebot ausweisen? Mindestens Testumgebung, Restore-Test, Updates, AVV und Betreuung.
Schreib außerdem dazu, bei welchem Ergebnis du aufhörst. Ein vorher festgelegtes Abbruchkriterium schützt dich vor einem der teuersten Fehler im MVP: weiterzubauen, obwohl die Zahlen dagegen sprechen. Ein Abbruch nach der Messphase ist dann kein Scheitern, sondern ein Ergebnis.
Unsere Pakete und Preisrahmen stehen offen auf der Seite MVP entwickeln lassen; den Festpreis nennen wir nach einem kurzen Konzept-Check.
Wenn du dein Vorhaben lieber direkt einordnen lassen willst, buch dir ein Erstgespräch mit mir: 30 Minuten, unverbindlich. Ich ordne dein MVP einem der vier Wege zu und sage dir, welche Posten noch fehlen. Reicht für deine Frage ein Baukasten, sage ich dir auch das.
